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Businessplan für Gastronomie und Einzelhandel erstellen

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Ein Businessplan für ein Lokal oder Geschäft hat einen Textteil und einen Finanzteil. Der Finanzteil besteht aus Kapitalbedarf, Rentabilitätsvorschau (ohne Mehrwertsteuer), Liquiditätsvorschau (mit Zahlungen) und Unternehmerlohn. Welche Unterlagen Ihre Bank im Einzelnen verlangt, fragen Sie dort; die Beispielzahlen hier sind erfunden.

Das Wichtigste

  • Das Existenzgründungsportal des Bundes gliedert den Businessplan in Textteil und Finanzteil und stellt Vorlagen für Kapitalbedarf, Rentabilität, Liquidität und Unternehmerlohn bereit (Stand Dezember 2025).
  • In der Rentabilitätsvorschau stehen alle Beträge ohne Mehrwertsteuer, in der Liquiditätsvorschau die Zahlungseingänge einschließlich Mehrwert- oder Umsatzsteuer.
  • Österreich: Die Wirtschaftskammer nennt Kapitalbedarf, Finanzierung, Kosten samt Unternehmerlohn, Umsätze und eine Plan-Gewinn-und-Verlustrechnung als Inhalte der Erfolgs- und Finanzplanung.
  • Schweiz: Das KMU-Portal nennt für Neugründungen Planbilanzen, Planerfolgsrechnungen und einen Liquiditätsplan als Finanzbeilagen.
  • Alle Zahlen im Rechenbeispiel sind erfundene Annahmen, keine Richtwerte für Ihren Betrieb.

Was Sie vorab brauchen

  • Ein Konzept in wenigen Sätzen: Angebot, Zielgruppe, Standort, Öffnungszeiten, Größe.
  • Angebote für Miete, Einrichtung und Waren, damit Ihre Zahlen auf Angeboten beruhen und nicht auf Schätzungen.
  • Ihren privaten Finanzbedarf pro Monat.
  • Ihre Eigenmittel und den Betrag, den Sie finanzieren wollen.

Textteil und Finanzteil

Das Existenzgründungsportal des Bundes beschreibt den Businessplan als Text- und Finanzteil. Er richtet sich intern an Sie selbst und extern unter anderem an Banken, die einen Kredit prüfen. Die Wirtschaftskammer Österreich nennt als Abschnitte Executive Summary, Produkt oder Dienstleistung, Markt und Wettbewerb, Marketing und Vertrieb, Unternehmen und Management, Erfolgs- und Finanzplanung, Umsetzplanung und Anhang. Das Schweizer KMU-Portal zählt für Neugründungen Betreibungsauszug, Planbilanzen, Planerfolgsrechnungen und Liquiditätsplan zu den Beilagen. Dieser Artikel beschränkt sich auf den Finanzteil.

Schritt für Schritt: Der Finanzteil

Schritt 1: Konzept in Zahlen fassen

Ob Sie ein Lokal, ein Ladengeschäft oder einen Salon planen, entscheidet über die Rechengrößen. Bei einem Lokal rechnen Sie über Plätze, Gäste und Durchschnittsbon, im Laden über Fläche und Sortiment, im Salon über Arbeitsplätze und Behandlungen. Legen Sie das Konzept fest, bevor Sie rechnen, denn Wareneinsatz, Personal und Einrichtung hängen daran.

Schritt 2: Kapitalbedarf ermitteln

Die Checkliste des Existenzgründungsportals ordnet den Kapitalbedarf nach Gründungskosten, Kosten der Anlaufphase (Ausgaben bis zum ersten Geldeingang), Unternehmerlohn, Anlagevermögen, Umlaufvermögen und Kapitaldienst. Die folgende Beispielrechnung folgt dieser Gliederung.

Position (Beispielrechnung) Euro
Gründungskosten (Beratung, Anmeldungen, Sonstiges) 3.000
Anlaufphase, 3 Monate: Miete 10.500, Personal 18.000, Versicherungen und Sonstiges 2.400, Werbung 2.000, Reserve 5.000 37.900
Unternehmerlohn, 3 Monate à 2.200 6.600
Anlagevermögen: Betriebs- und Geschäftsausstattung 45.000
Umlaufvermögen: Warenlager 4.000
Kapitaldienst, 3 Monate à 900 2.700
Kapitalbedarf 99.200

Finanzierung im Beispiel: 29.200 Euro Eigenmittel und 70.000 Euro Darlehen ergeben 99.200 Euro. Nicht enthalten sind Kartenterminal und Zahlungsgebühren, die Sie je nach Angebot ergänzen.

Schritt 3: Rentabilität für das erste Jahr rechnen

Die Rentabilitätsvorschau des Existenzgründungsportals führt alle Beträge in Euro und ohne Mehrwertsteuer auf. Der Wareneinsatz steht als Abzug vom Umsatz, die Wareneinsatzquote ist Wareneinsatz geteilt durch Nettoumsatz mal 100.

Position, 1. Jahr (Beispielrechnung, netto) Euro
Erwartete Umsatzerlöse 330.000
Wareneinsatz (30 Prozent von 330.000) 99.000
Rohgewinn 231.000
Personalkosten 108.000
Raumkosten (12 × 3.500) 42.000
Versicherungen, Beiträge 4.800
Werbung 6.000
Reparaturen und Instandhaltung 3.000
Leasing 6.000
Telefon, Internet 1.800
Beratung 4.200
Sonstige Aufwendungen 9.000
Zinsaufwendungen 3.600
Abschreibungen (Annahme, keine Aussage zur steuerlichen Nutzungsdauer) 9.000
Betriebliche Steuern: im Beispiel nicht angesetzt 0
Summe Aufwendungen 197.400
Betriebsergebnis 33.600

Das Existenzgründungsportal nennt als Ziel, dass das Betriebsergebnis den Unternehmerlohn deckt und eine Liquiditätsreserve ermöglicht. Im Beispiel entsprechen 12 × 2.200 = 26.400 Euro dem Unternehmerlohn; 33.600 − 26.400 = 7.200 Euro bleiben.

Schritt 4: Unternehmerlohn aus dem Privatbudget ableiten

Die Checkliste dazu summiert Haushalt, Versicherungen und Sonstiges, zieht sonstige Einnahmen (etwa das Einkommen des Partners) ab und nennt das Ergebnis den erforderlichen Unternehmerlohn. Die 2.200 Euro im Beispiel sind angenommen. Rechnen Sie Ihre eigene Zahl.

Schritt 5: Liquidität monatsweise planen

Die Liquiditätsvorschau hält erwartete Einnahmen und Ausgaben je Monat fest; Zahlungseingänge stehen dort einschließlich Mehrwert- oder Umsatzsteuer, die Steuerzahlung steht auf der Ausgabenseite. Das Beispiel startet mit 47.200 Euro, das ist das Darlehen und die Eigenmittel abzüglich Gründungskosten, Ausstattung und Warenlager.

Beispielrechnung Monat 1 Monat 2 Monat 3
Zahlungseingänge (angenommen, inkl. Umsatzsteuer) 12.000 20.000 28.000
Waren und Lieferanten 8.000 10.000 12.000
Personal 6.000 6.000 6.000
Miete 3.500 3.500 3.500
Versicherungen und Sonstiges 800 800 800
Werbung 2.000 0 0
Kapitaldienst 900 900 900
Privatentnahme 2.200 2.200 2.200
Umsatzsteuer-Zahlung (Annahme) 0 1.000 2.000
Ausgaben gesamt 23.400 24.400 27.400
Saldo des Monats −11.400 −4.400 +600
Bestand am Monatsende (Start 47.200) 35.800 31.400 32.000

Der Bestand sinkt im Beispiel nicht unter 31.400 Euro. Wäre ein Monatsende negativ, wäre das der Hinweis, mehr Eigenmittel einzuplanen oder die Ausgaben zu verschieben.

Beispiel Salon: Umsatz aus Arbeitsplätzen

Ein Dienstleister hat keinen Wareneinsatz im Sinn der Vorlage (sie vermerkt, dass er für Dienstleister entfällt). Den Umsatz rechnen Sie über die Kapazität. Beispielrechnung: 3 Arbeitsplätze × 6 Kundinnen und Kunden am Tag × 45 Euro netto × 22 Öffnungstage = 17.820 Euro im Monat bei voller Auslastung; bei angenommenen 60 Prozent Auslastung sind es 10.692 Euro. Material und Produkte planen Sie als eigene Kostenzeile.

Was Ihre Prüfer fragen

Für den Gründungszuschuss prüft eine fachkundige Stelle laut Existenzgründungsportal unter anderem, ob die geschätzten Umsätze, Kosten, der Gewinn und der Kapitalbedarf realistisch sind, ob finanzielle Reserven für Durststrecken bestehen und ob das erwartete Einkommen eine ausreichende Lebensgrundlage bietet. Eine Bank kann andere Maßstäbe anlegen. Fragen Sie Ihre Bank vor dem Gespräch, welche Unterlagen sie sehen will.

Wenn etwas nicht stimmt

Symptom Ursache Lösung
Die Quote Wareneinsatz zu Umsatz wirkt zu niedrig Brutto-Umsatz im Nenner Nettoumsatz verwenden
Betriebsergebnis deckt den Unternehmerlohn nicht Unternehmerlohn nicht angesetzt oder zu knapp Privatbudget nach Schritt 4 neu rechnen
Bestand wird im Plan negativ Anlaufphase ohne Einnahmen zu knapp geplant Reserve erhöhen oder Zahlungen verschieben
Kapitalbedarf stimmt nicht mit Liquidität überein Kapitaldienst fehlt in einer der Tabellen In beiden Tabellen ansetzen

Wann Sie Hilfe holen sollten

Lassen Sie die Zahlen von Ihrer Steuerberatung oder einer Gründungsberatung der Kammern prüfen, bevor Sie sie einer Bank vorlegen. Das gilt besonders für Steuern, Abschreibungen und die Wahl der Rechtsform; dazu siehe Rechtsform wählen und Kalkulation in der Gastronomie.

Häufige Fragen

Für welchen Zeitraum plane ich Liquidität und Rentabilität?

Die Liquiditätsvorschau des Existenzgründungsportals fragt nach den nächsten drei bis sechs Monaten, die Rentabilitätsvorschau hat Spalten für drei Jahre. Das Beispiel unten rechnet ein Jahr Rentabilität und drei Monate Liquidität, damit die Tabellen lesbar bleiben.

Gilt das auch für Österreich und die Schweiz?

Die Bausteine ähneln sich: Die Wirtschaftskammer Österreich nennt Kapitalbedarf, Finanzierung, Fixkosten mit Unternehmerlohn und eine Plan-Gewinn-und-Verlustrechnung, das Schweizer KMU-Portal Planerfolgsrechnung und Liquiditätsplan. Die Tabellen unten rechnen in Euro; in der Schweiz nehmen Sie CHF und fragen Ihre Bank nach den Vorlagen.

Quellen

  1. Businessplan erstellen (Einleitung, Textteil und Finanzteil, interne und externe Verwendung)Existenzgründungsportal des Bundes (BMWE) · abgerufen am
  2. Kapitalbedarf: Finanzierung der Gründung und betrieblichen Anlaufphase (Checkliste, Stand Dezember 2025)Existenzgründungsportal des Bundes (BMWE) · abgerufen am
  3. Liquiditätsvorschau (Checkliste, Stand Dezember 2025)Existenzgründungsportal des Bundes (BMWE) · abgerufen am
  4. Rentabilitätsvorschau (Checkliste, Stand Dezember 2025)Existenzgründungsportal des Bundes (BMWE) · abgerufen am
  5. Unternehmerinnen- bzw. Unternehmerlohn ermitteln (Checkliste, Stand Dezember 2025)Existenzgründungsportal des Bundes (BMWE) · abgerufen am
  6. Fachkundige Stellungnahme bzw. Tragfähigkeitsprüfung (Übersicht, Stand Dezember 2025)Existenzgründungsportal des Bundes (BMWE) · abgerufen am
  7. Inhalte des Businessplanes (Stand 9. September 2026)Wirtschaftskammer Österreich, Gründerservice · abgerufen am
  8. Checkliste: Ist mein Businessplan vollständig?KMU-Portal des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO · abgerufen am