Girocard für Händler: Funktion, Akzeptanz und Entgelte
Kurz gesagt
Die girocard ist das nationale Debitkartenverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft. Wer in Deutschland am girocard-System teilnimmt, muss nach den Teilnahmebedingungen (Stand 1. Oktober 2025) girocards an seinen girocard-Terminals akzeptieren, außer Firmenkarten im EWR und außer Karten von Instituten, mit denen mangels Entgeltvereinbarung keine Annahme besteht (dann ist vorher auf die Nichtannahme hinzuweisen); die Kontaktlos-Funktion ist optional. Das Entgelt vereinbaren Sie individuell mit dem kartenausgebenden Institut. Eine allgemeine gesetzliche Kartenannahmepflicht haben wir nicht gefunden.
Das Wichtigste
- Vertragliche Annahmepflicht für girocards an den eigenen girocard-Terminals, nicht für Firmenkarten im EWR; Kontaktlos-Funktion optional (Ziff. 2 der Teilnahmebedingungen, Stand 1. Oktober 2025); Hinweis an Kunden vor der Zahlung, wenn Karten mangels Entgeltvereinbarung nicht angenommen werden.
- Entgelte werden frei zwischen Händler und kartenausgebendem Institut vereinbart (Ziff. 6); einheitliche Händlerentgelte hat das Bundeskartellamt mit Entscheidung vom 8. April 2014 beendet.
- Durchschnittliche Gesamtkosten einer girocard-Zahlung im deutschen Einzelhandel: 0,60 Euro je Zahlung, 0,8 Prozent des Umsatzes; davon Gebühren 0,18 Euro bzw. 0,2 Prozent (Bundesbank-Studie, November 2025, Stichprobe von 268 Unternehmen).
- Deutschland: Ein Entgelt vom Kunden für die Kartenzahlung ist bei Verbrauchern unwirksam, wenn Kapitel II der VO (EU) 2015/751 anwendbar ist (§ 270a BGB).
Die girocard (umgangssprachlich noch EC-Karte) ist die Debitkarte des deutschen Verfahrens der Deutschen Kreditwirtschaft. Für Händler stellt sich nicht nur die Frage nach dem Preis, sondern auch, was sie mit dem Terminal vertraglich zusagen und wie lange das Verfahren in der heutigen Form bleibt.
Wie funktioniert die girocard am Terminal?
Am Terminal steckt oder hält der Kunde die Karte an das Gerät und bestätigt, soweit verlangt, mit PIN. Bei kontaktlosen Zahlungen bis 50 Euro darf der Kartenherausgeber auf die PIN verzichten (Ziff. 8 der Teilnahmebedingungen). Das Terminal verbindet sich über einen Netzbetreiber mit den Autorisierungssystemen der Banken (Ziff. 3). Mit der positiven Autorisierung sagt der Kartenherausgeber zu, den genehmigten Betrag zu zahlen (Ziff. 5).
Die Zusage hat Bedingungen: Das Terminal muss für den Netzbetreiber zugelassen sein und nach den vereinbarten Verfahren betrieben werden, und der Umsatz muss bei einer girocard-Ausgabe innerhalb von acht Tagen beim Einzugsinstitut eingereicht werden (Ziff. 5). Nur Terminals, die die Deutsche Kreditwirtschaft zugelassen hat, dürfen am Verfahren teilnehmen (Ziff. 7). Ihr Händlerjournal bewahren Sie mindestens 15 Monate auf (Ziff. 11), unabhängig von gesetzlichen Aufbewahrungsfristen.
Welche Annahmeregeln gelten?
| Regel | Quelle und Wirkung |
|---|---|
| Annahme von girocards am eigenen girocard-Terminal | Vertraglich, Ziff. 2 der Teilnahmebedingungen; gilt nicht für Firmenkarten im Europäischen Wirtschaftsraum |
| Hinweis, wenn Karten bestimmter Institute mangels Entgeltvereinbarung nicht angenommen werden | Vertraglich, Ziff. 2: vor der Zahlung per Aufkleber, elektronisch oder in anderer geeigneter Weise |
| Vorauswahl einer Marke am Terminal | Zulässig, aber der Karteninhaber muss sie ändern können (Ziff. 2) |
| Aufschlag für die Kartennutzung | Unwirksam bei Verbrauchern, soweit Kapitel II der VO (EU) 2015/751 gilt (§ 270a BGB) |
| Kartenakzeptanz als Pflicht für jeden Händler | In den geöffneten Quellen nicht gefunden |
Die Teilnahmebedingungen binden nur Händler, die am girocard-System teilnehmen. Sie sind Vertrag, kein Gesetz; die Ziffernangaben in diesem Artikel folgen der deutschen Fassung vom 1. Oktober 2025. Sie lassen Rabatte für bestimmte Zahlungsarten ausdrücklich zu (Ziff. 2).
Was kostet die girocard?
Das Entgelt ist verhandelt, nicht festgeschrieben. Nach Ziff. 6 der Teilnahmebedingungen zahlen Sie dem kartenausgebenden Institut das vereinbarte Entgelt; Sie müssen dem Netzbetreiber nachweisen, dass Sie mit allen Instituten Entgeltvereinbarungen haben; fehlen sie, müssen Sie sich unverzüglich um den Abschluss bemühen. Für stornierte Zahlungen fällt kein Entgelt an. Das Bundeskartellamt hat mit Entscheidung vom 8. April 2014 die Verpflichtungszusagen der Kreditwirtschaft für verbindlich erklärt, mit denen die einheitlichen Händlerentgelte beim electronic cash aufgegeben wurden.
Zur Größenordnung liefert die Bundesbank-Studie zu den Kosten im Einzelhandel (veröffentlicht November 2025, korrigierte Fassung Dezember 2025) Durchschnitte aus Zeitmessungen an 15 Verkaufsstellen und einer Befragung von 268 Unternehmen. Danach kostet eine girocard-Zahlung im Mittel 0,60 Euro, das sind 0,8 Prozent des Umsatzes. Darin stecken Geräte-, Zeit- und Gebührenkosten. Die Transaktionsgebühren allein betragen 0,18 Euro je Zahlung bzw. 0,2 Prozent des Umsatzes. Die Mittelwerte stammen aus verschiedenen Betrieben und passen nicht zu jedem Bon; kleinere Unternehmen tragen laut Studie höhere Kosten.
Ein Rechenbeispiel
Beispielrechnung mit erfundenen Entgeltvereinbarungen; sie zeigt, wie sich der Bon-Betrag auswirkt. Annahme: drei Vereinbarungen, jeweils netto und ohne Terminalkosten.
| Bon | A: 0,20 % vom Betrag | B: 0,08 Euro je Zahlung | C: 0,05 Euro + 0,10 % |
|---|---|---|---|
| 5,00 Euro (Brötchen, Kaffee) | 0,01 Euro (0,20 %) | 0,08 Euro (1,60 %) | 0,055 Euro (1,10 %) |
| 25,00 Euro (Wocheneinkauf klein) | 0,05 Euro (0,20 %) | 0,08 Euro (0,32 %) | 0,075 Euro (0,30 %) |
| 80,00 Euro (Einkauf groß) | 0,16 Euro (0,20 %) | 0,08 Euro (0,10 %) | 0,13 Euro (0,16 %) |
Rechenweg zu C bei 25 Euro: 0,05 + 25 × 0,10 % = 0,05 + 0,025 = 0,075 Euro, geteilt durch 25 Euro ergibt 0,30 Prozent. Ein fester Betrag je Zahlung belastet kleine Bons prozentual stärker, ein reiner Prozentsatz große Bons absolut. Welche Vereinbarung für Sie passt, hängt von Ihrer Bon-Verteilung ab; legen Sie eine Woche Ihrer Kartenumsätze nach Höhe in Klassen und rechnen Sie jede Vereinbarung durch.
Wie sicher ist die girocard-Zukunft?
Die girocard wird nicht abgeschafft, verliert aber Marktanteil. Der umsatzbezogene Marktanteil der girocard an allen Debitkartenzahlungen in Deutschland lag Ende 2024 bei knapp 72 Prozent; von Anfang 2023 bis Ende 2024 sank er um mehr als 7 Prozentpunkte, obwohl ihre Zahlungen nach Zahl (plus 12,8 Prozent) und Wert (plus 5,3 Prozent) stiegen (Bundesbank, Monatsbericht Dezember 2025). Die Bundesbank nennt Gründe, ein nationales Kartennetzwerk zu erhalten.
Das Co-Badge Maestro läuft aus: Seit 1. Juli 2023 dürfen Institute keine neuen Karten mit dieser Zusatzfunktion mehr ausgeben, und die letzten girocards mit Maestro laufen nach Angabe der EURO Kartensysteme Ende 2027 ab. Als Ersatz nennt sie unter anderem Debit Mastercard, V Pay und Visa Debit. Welche Marke ein Terminal bei Karten mit zwei Marken vorwählt, darf der Händler einstellen; der Karteninhaber muss die Vorwahl ändern können (Ziff. 2).
So gehen Sie vor
- Prüfen Sie im Vertrag mit dem Netzbetreiber und im Terminal, welche Marken das Gerät annimmt, und halten Sie die Entgelte je Marke fest.
- Lesen Sie die Teilnahmebedingungen (Ziff. 2, 6 und 7) und ergänzen Sie die Pflichten in Ihrer Betriebsanleitung.
- Prüfen Sie, ob eine Entgeltvereinbarung mit jedem kartenausgebenden Institut besteht; andernfalls müssen Sie sich unverzüglich um sie bemühen und Kunden nach Ziff. 2 vor der Zahlung auf die Nichtannahme hinweisen.
- Rechnen Sie Ihre Bon-Verteilung mit dem Muster oben durch.
- Planen Sie bis Ende 2027 ein, dass Karten mit Co-Badge Maestro auslaufen, und fragen Sie Ihren Anbieter, ob alle Marken, die Ihre Kunden dann nutzen, am Terminal laufen. Anbieterprofile finden Sie auf kassenvergleicher.de.