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Omnichannel-Bestand: Ein Bestand für Laden, Shop und Marktplatz

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Führen Sie den Bestand an einer Stelle im ERP und geben Sie jedem Verkaufskanal nur den verfügbaren Bestand weiter: physischer Bestand minus Reservierungen minus Sicherheitspuffer des Kanals. Puffer und Abstand zwischen zwei Abgleichen begrenzen, wie viele Stücke zu viel verkauft werden können. Die Rechenregel ist ein Vorgehen dieses Artikels, keine Vorgabe.

Das Wichtigste

  • Verfügbarer Bestand = physischer Bestand minus Reservierungen; was ein Kanal anzeigt, ist der verfügbare Bestand minus Puffer des Kanals, mindestens 0 (Rechenregel dieses Artikels).
  • Das größtmögliche Überverkaufsrisiko zwischen zwei Abgleichen ist die Summe der angezeigten Mengen aller Kanäle minus der verfügbaren Menge, mindestens 0 Stück.
  • Feste Anteile je Kanal schließen Überverkauf aus, wenn ihre Summe den verfügbaren Bestand nicht übersteigt und jeder Kanal in seinem Anteil bleibt; sie können aber Verkäufe verhindern, obwohl Ware ungenutzt liegt.
  • Alle Zahlen im Artikel sind erfunden (Beispielrechnung).

Sobald Ware im Laden, im Onlineshop und auf einem Marktplatz zugleich angeboten wird, steht jede Stückzahl mehrfach zum Verkauf. Verkauft ein Kanal ein Stück, das ein anderer Kanal zur gleichen Zeit noch anbietet, muss einer der Kunden warten oder abgesagt werden. Der Artikel zeigt, welche Zahl jedem Kanal gegeben wird und wie viel Überverkauf bei welcher Einstellung möglich bleibt.

Worauf es ankommt

Drei Begriffe reichen für die Rechnung:

  • Physischer Bestand: Was am Lagerort liegt, einschließlich Ware, die bereits einem Kunden zugesagt ist.
  • Reservierung: Menge, die für einen Auftrag zurückgelegt ist, aber den Lagerort noch nicht verlassen hat.
  • Verfügbarer Bestand: physischer Bestand minus Reservierungen.

Jeder Kanal zeigt nicht den verfügbaren Bestand, sondern diesen Wert minus einen Puffer, den Sie je Kanal festlegen; die Anzeige ist dabei mindestens 0. Der Puffer fängt Verkäufe auf, die der Kanal bis zum nächsten Abgleich nicht sieht. Wie die Schnittstellen zu Shop und Marktplatz technisch laufen, beschreiben Onlineshop und ERP verbinden und Marktplätze anbinden. Die Lagerorte legt Lagerverwaltung im ERP fest.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Variante Was der Kanal anzeigt Überverkauf Ungenutzte Ware
A: gemeinsamer Bestand ohne Puffer verfügbarer Bestand möglich bis zum Abgleich nein
B: gemeinsamer Bestand mit Puffer je Kanal verfügbarer Bestand minus Puffer geringere Obergrenze, nicht ausgeschlossen möglich: ein Kanal kann wegen seines Puffers ablehnen, obwohl Ware verfügbar ist
C: feste Anteile je Kanal der Anteil des Kanals ausgeschlossen, wenn die Summe der Anteile höchstens dem verfügbaren Bestand entspricht und jeder Kanal in seinem Anteil bleibt möglich: ein Anteil bleibt unverkauft, während ein anderer Kanal ausverkauft zeigt

Ein Rechenbeispiel

Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen. Ein Artikel hat 12 Stück physischen Bestand, 2 Stück sind reserviert. Verfügbar sind 10 Stück. Das ERP gleicht alle 30 Minuten ab. In der Variante B beträgt der Puffer im Shop 2 und auf dem Marktplatz 3 Stück; in der Variante C sind die Anteile 4 (Laden), 3 (Shop) und 3 (Marktplatz).

Kanal A: zeigt B: zeigt C: zeigt
Laden 10 10 4
Shop 10 8 3
Marktplatz 10 7 3
Summe der Anzeigen 30 25 10
größtes Überverkaufsrisiko (Summe minus 10, mindestens 0) 20 15 0

Das größte Risiko ist der Fall, dass jeder Kanal vor dem nächsten Abgleich alles verkauft, was er zeigt. Die Rechnung gibt nur die Obergrenze an, sie sagt nichts über die Häufigkeit. Zwei Nachfragefälle in einem Abgleichfenster zeigen, was daraus wird:

Fall (Nachfrage im Fenster) A B C
1: Laden 4, Shop 3, Marktplatz 4 (zusammen 11) alle 11 verkauft, 1 Stück zu viel alle 11 verkauft, 1 Stück zu viel Marktplatz verkauft 3, 1 Anfrage abgelehnt, kein Überverkauf
2: Laden 6, Shop 1, Marktplatz 1 (zusammen 8) alle 8 verkauft, nichts zu viel alle 8 verkauft, nichts zu viel Laden verkauft 4 und lehnt 2 ab, obwohl 4 Stück in den anderen Anteilen liegen

Der Puffer in B hat im Fall 1 nichts verhindert, weil die Gesamtnachfrage von 11 über dem verfügbaren Bestand von 10 lag und beide Kanäle mit ihrer Nachfrage unter der gezeigten Menge blieben. Er senkt nur die Obergrenze (von 20 auf 15). Mit diesen Beispielzahlen schließt nur die Variante C Überverkauf aus (Summe der Anteile gleich verfügbarer Bestand), zu dem Preis der ungenutzten Ware in Fall 2. Hätten die Puffer in B die Summe der Anzeigen auf 10 oder weniger gedrückt, wäre auch dort kein Überverkauf möglich.

Typische Fehler

  • Reservierung fehlt in der Rechnung. Der Shop zeigt physische statt verfügbare Ware. Prüfen Sie die Formel an einem Artikel mit offener Reservierung.
  • Ein Puffer für alle Artikel. Artikel verkaufen sich unterschiedlich schnell; ein Puffer von 3 passt nicht zu jedem. Setzen Sie den Puffer je Artikelgruppe.
  • Abgleichintervall unbekannt. Die Obergrenze gilt für die Zeit zwischen zwei Abgleichen; wer das Intervall nicht kennt, weiß nicht, wie lange eine veraltete Anzeige bestehen bleibt. Notieren Sie das Intervall jedes Kanals.
  • Anteile werden nicht nachgezogen. Bei Variante C bleibt ein Anteil liegen, wenn niemand ihn umbucht.
  • Rückläufer zählen zu früh. Buchen Sie eine Retoure erst als verfügbar, wenn die Ware verkaufsfähig wieder eingelagert ist.

So gehen Sie vor

  1. Halten Sie je Kanal fest, aus welchen Lagerorten er liefert und wie oft er abgleicht.
  2. Rechnen Sie für zehn Artikel den verfügbaren Bestand nach der Formel und vergleichen Sie ihn mit den Anzeigen aller Kanäle.
  3. Beginnen Sie mit Variante B und einem kleinen Puffer; messen Sie vier Wochen lang Überverkäufe und abgelehnte Anfragen je Kanal.
  4. Wechseln Sie für einzelne knappe oder teure Artikel auf feste Anteile (Variante C), wenn Überverkauf teurer ist als ungenutzte Ware.
  5. Prüfen Sie den Puffer neu, wenn sich das Abgleichintervall ändert.

Häufige Fragen

Wie groß soll der Sicherheitspuffer sein?

Ein Ausgangswert ist die höchste Zahl an Verkäufen, die Sie in einem Abgleichfenster bei diesem Artikel in den Kanälen beobachtet haben, die der Kanal nicht sieht. Prüfen Sie ihn nach zwei Wochen anhand der Überverkäufe und der Fälle, in denen der Kanal „nicht lieferbar“ zeigte, obwohl Ware da war.

Reicht ein gemeinsamer Bestand, wenn das Lager zwei Standorte hat?

Nur, wenn jeder Kanal weiß, aus welchem Lagerort er liefert. Rechnen Sie den verfügbaren Bestand je Lagerort und ordnen Sie jedem Kanal die Lagerorte zu, aus denen er liefern darf; die Anlage der Lagerorte beschreibt der Artikel zur Lagerverwaltung.