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Lagerverwaltung im ERP: Bestände, Lagerorte, Chargen

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Ein ERP führt den Bestand eines Artikels getrennt nach Lagerort und, wo nötig, nach Charge. Der Bestand entsteht aus den gebuchten Bewegungen (Wareneingang, Umlagerung, Warenausgang, Korrektur); der verfügbare Bestand ist der physische Bestand abzüglich Reservierungen. Das beschreibt das Modell dieses Artikels, die Begriffe der Produkte können abweichen.

Das Wichtigste

  • Das Modell dieses Artikels führt Bestand je Artikel, Lagerort und Charge; physischer Bestand minus reservierte Menge ergibt den verfügbaren Bestand.
  • Nach den GS1 General Specifications (Release 26.0, Januar 2026) gehört die Chargennummer (Application Identifier 10, bis 20 alphanumerische Zeichen) nicht zur eindeutigen Identifikation eines Handelsartikels; sie wird zusammen mit der GTIN verarbeitet.
  • Die SSCC ist nach GS1 der Identifikationsschlüssel einer einzelnen Logistikeinheit und besteht aus 18 Ziffern mit Prüfziffer.
  • Die Plattform-Dokumentation von Shopify (abgerufen am 13. Oktober 2026) unterscheidet unter anderem die Bestandszustände on_hand, available und committed; on_hand ist die Summe aus available, committed, reserved, damaged, safety_stock und quality_control.
  • Ob für Ihre Ware eine Chargenrückverfolgung vorgeschrieben ist, hängt von Warenart und Land ab und ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

Eine Zahl wie „46 Flaschen“ sagt nicht, wo sie stehen und aus welcher Lieferung sie stammen. Ein Lagermodul beantwortet beide Fragen, indem es den Bestand nicht am Artikel, sondern an der Kombination aus Artikel, Lagerort und Charge führt. Der Begriff Warenwirtschaft ist im Glossar erklärt.

Die Begriffe

Die folgenden Begriffe verwendet dieser Artikel. Die Namen in Ihrem Produkt können abweichen.

Begriff Bedeutung in diesem Artikel Beispiel (erfunden)
Lagerort Ein Platz, an dem Ware liegt und der im ERP einen eigenen Bestand hat Hauptlager Regal A1, Verkaufsfläche
Charge Eine Menge eines Artikels, die Sie als Einheit nachverfolgen wollen, etwa eine Lieferung C-0925
Physischer Bestand Menge, die tatsächlich am Lagerort liegt 16 Flaschen
Reservierung Menge, die für einen Auftrag zurückgelegt ist, aber noch am Lagerort liegt 12 Flaschen
Verfügbarer Bestand Physischer Bestand minus Reservierungen 4 Flaschen
Bewegung Eine gebuchte Änderung: Wareneingang, Umlagerung, Warenausgang, Korrektur Umlagerung von Regal A1 zur Verkaufsfläche

Der Bestand ist in diesem Modell die Summe aller Bewegungen je Artikel, Lagerort und Charge. Eine Korrektur ist deshalb ebenfalls eine Bewegung mit Beleg und keine Überschreibung der Zahl.

Was GS1 zu Charge und Logistikeinheit sagt

Die GS1 General Specifications ordnen die Chargennummer dem Application Identifier (10) zu: bis zu 20 alphanumerische Zeichen, die der Hersteller für die Rückverfolgbarkeit vergibt. GS1 hält fest, dass die Charge nicht zur eindeutigen Identifikation eines Handelsartikels gehört und zusammen mit der GTIN verarbeitet wird (Release 26.0, Abschnitt 3.4.1). Im ERP bedeutet das: Die Charge ist ein eigenes Feld neben der Artikelnummer, kein Teil davon. Zur Wahl der Artikelnummer siehe Artikelnummern im ERP.

Für Paletten und Kartons als Ganzes sieht GS1 die SSCC vor, den Schlüssel einer einzelnen Logistikeinheit mit 18 Ziffern (Abschnitt 1.3.5). Ob Sie sie brauchen, hängt davon ab, ob Lieferanten oder Kunden sie auf Lieferpapieren verlangen.

Ein Rechenbeispiel: Eine Ware, drei Bestände

Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen. Der Artikel „Olivenöl 1 l“ liegt an zwei Lagerorten: im Hauptlager (HL) und auf der Verkaufsfläche (VK). Die Charge C-0925 ist die ältere Lieferung, C-1026 die neue.

Ausgangslage: HL C-0925: 40 Flaschen; VK C-0925: 6 Flaschen; HL C-1026: 0 Flaschen. Der Gesamtbestand beträgt 46.

Schritt Bewegung Gesamtbestand danach
1 Wareneingang: 60 Flaschen C-1026 nach HL 106
2 Umlagerung: 24 Flaschen C-0925 von HL nach VK 106
3 Verkauf an der Kasse: 10 Flaschen C-0925 aus VK 96
4 Reservierung für einen Kundenauftrag: 12 Flaschen C-0925 in HL 96
5 Korrektur nach Bruch: 1 Flasche C-0925 aus VK 95

Die Umlagerung ändert die Verteilung, nicht den Gesamtbestand. Die Reservierung ändert den Gesamtbestand ebenfalls nicht, aber den verfügbaren Bestand. Nach Schritt 5 lautet die Tabelle:

Lagerort Charge Physisch Reserviert Verfügbar
HL C-0925 16 12 4
HL C-1026 60 0 60
VK C-0925 19 0 19
Summe 95 12 83

Probe: 46 + 60 − 10 − 1 = 95 physisch; 95 − 12 = 83 verfügbar, und 4 + 60 + 19 = 83. Stimmen beide Rechnungen nicht, fehlt eine Bewegung oder eine Bewegung ist doppelt gebucht.

Bestandszustände in einer Plattform-Dokumentation

Die Entwicklerdokumentation von Shopify (abgerufen am 13. Oktober 2026) zeigt, wie ein Plattformmodell den Bestand aufteilt. Sie führt die Zustände incoming, available, committed, reserved, damaged, safety_stock und quality_control, die sich gegenseitig ausschließen, und definiert on_hand als deren Summe ohne incoming. Als verkaufbar führt die Dokumentation den Zustand available. Das deckt sich mit der Unterscheidung dieses Artikels zwischen physischem und verfügbarem Bestand, ohne dass ein anderes Produkt dieselben Zustände führen muss.

Typische Fehler

  • Bestand nur am Artikel: Ohne Lagerort fehlt bei einer Umlagerung die Zielbuchung; Regal und Verkaufsfläche lassen sich nicht abgleichen.
  • Charge nicht beim Wareneingang erfasst: Eine fehlende Charge lässt sich später nicht mehr aus den Buchungen ableiten.
  • Reservierung nicht vom Verkauf abgezogen: Der Verkauf sieht 16 statt 4 Flaschen und verkauft Ware, die schon zugesagt ist.
  • Korrektur ohne Beleg: Die Zahl stimmt wieder, der Grund fehlt, und die nächste Inventur zeigt dieselbe Differenz.
  • Umlagerung als zwei lose Buchungen: Wird nur die Entnahme gebucht, fehlen die Flaschen im Gesamtbestand.

Lageroptimierung und Automatisierung

Die folgenden Hinweise sind redaktionelle Vorschläge für ein Lager mit mehreren Lagerorten. Sie beruhen auf den Buchungen, die das Modell oben ohnehin verlangt.

Maßnahme Zweck Voraussetzung im ERP
Feste Lagerplätze für Artikel mit vielen Buchungen Diese Artikel liegen nahe am Ausgang; die Auswertung der Bewegungen nach Zahl der Buchungen im Jahr nennt sie Auswertung der Bewegungen je Artikel
Barcode-Scan bei Eingang, Umlagerung und Ausgang Menge, Artikel und Lagerort werden gescannt statt getippt Scanner und Artikelnummer oder GTIN im Artikelstamm
Mindestbestand mit Bestellvorschlag Das ERP schlägt eine Bestellung vor, sobald der verfügbare Bestand die Grenze erreicht (siehe Einkauf im ERP) Mindestbestand je Artikel gepflegt
Regelmäßige Teilzählung einzelner Lagerorte Differenzen werden zum Zählzeitpunkt sichtbar statt erst am Jahresende Zählauftrag je Lagerort (siehe Inventur mit ERP)
Älteste Charge zuerst entnehmen Das ERP schlägt bei der Entnahme die Charge mit dem frühesten Eingang vor Charge mit Eingangsdatum

Eine Automatisierung ersetzt die Pflege der Stammdaten nicht: Stimmt die Zuordnung von Artikel und Lagerort nicht, bucht auch der Scanner an die falsche Stelle (Stammdaten pflegen).

So gehen Sie vor

  1. Legen Sie die Lagerorte fest, an denen Ware einen eigenen Bestand haben soll (Lager, Verkaufsfläche, Außenlager).
  2. Bestimmen Sie die Artikel, bei denen Sie Chargen führen, und tragen Sie das Merkmal im Artikelstamm ein.
  3. Buchen Sie jeden Bestandsübergang als Beleg: Eingang, Umlagerung, Ausgang, Korrektur.
  4. Lassen Sie sich je Lagerort physischen, reservierten und verfügbaren Bestand anzeigen und rechnen Sie ein Beispiel wie oben nach.
  5. Geben Sie dem Shop und der Kasse nur den verfügbaren Bestand weiter (Onlineshop anbinden).

Häufige Fragen

Brauche ich Chargen für jeden Artikel?

Nein. Führen Sie Chargen nur bei Artikeln, bei denen Sie später sagen müssen oder wollen, welche Lieferung ein Kunde oder ein Lager erhalten hat. Jede Charge verlangt beim Wareneingang eine Eingabe und je Buchung eine Auswahl. Ob für Ihre Ware eine Rückverfolgung vorgeschrieben ist, prüfen Sie nach Warenart und Land.

Warum zeigt mein Shop weniger Bestand als das Lager?

Der Shop sollte den verfügbaren, nicht den physischen Bestand anzeigen. Reservierte Mengen, ein Sicherheitsbestand oder ein Lagerort, den der Shop nicht beliefert, mindern die Zahl. Prüfen Sie diese drei Größen, bevor Sie eine Zählung veranlassen.

Quellen

  1. GS1 General Specifications, Release 26.0 (ratifiziert Januar 2026), Abschnitte 1.3.5 und 3.4.1GS1 AISBL · abgerufen am
  2. Apps in inventory management (Inventory states)Shopify, Entwicklerdokumentation · abgerufen am