Notstrom für die Kasse: USV sinnvoll einsetzen
Kurz gesagt
Eine USV überbrückt einen Stromausfall oder eine Schwankung kurze Zeit mit Batterie. Sie lohnt sich für Geräte, deren Ausfall mitten im Bonvorgang Daten oder Umsatz kostet: Kasse, Drucker, Router, Kartenterminal. Dimensionieren Sie sie nach der Leistung der angeschlossenen Geräte und der gewünschten Überbrückungszeit; sie ersetzt weder Datensicherung noch ein Notfallkonzept.
Das Wichtigste
- Der Baustein INF.2 des BSI verlangt für Rechenzentren eine ausreichend dimensionierte USV, regelmäßig gewartet nach Herstellerintervallen; für Kassen ist das eine Orientierung, keine Pflicht.
- Überbrückungszeit in Stunden = nutzbare Batterieenergie in Wattstunden ÷ Leistung der Geräte in Watt.
- IEC 62040-3:2021 legt Leistungs- und Prüfanforderungen für elektronische USV fest; sie ist eine Norm, kein Gesetz.
- Eine USV versorgt Ihre Geräte weiter, stellt aber einen ausgefallenen Anschluss Ihres Internetanbieters nicht wieder her.
Eine kurze Unterbrechung oder ein Spannungseinbruch kann ein Gerät mitten im Vorgang abschalten. Ob das für Ihre Kasse ein Problem ist, hängt von Gerät und Software ab. Dieser Artikel zeigt, wie Sie die Frage für Ihren Betrieb beantworten und eine USV überschlägig bemessen. Tablet-Besonderheiten behandelt Tablet-Kasse im Dauerbetrieb.
Worauf es ankommt
Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) liefert aus einer Batterie Strom, wenn das Netz ausfällt. IEC 62040-3:2021 legt Leistungs- und Prüfanforderungen für elektronische USV fest, die ein Netz mit höchstens 1.000 Volt Wechselspannung speisen und eine Batterie bis 1.500 Volt Gleichspannung enthalten. Die Norm bindet nur, wo ein Vertrag oder Hersteller auf sie verweist.
Entscheiden Sie in drei Fragen: Was passiert mit der Kasse, wenn der Strom mitten im Bonvorgang ausfällt? Wie lange muss die Kette (Kasse, Drucker, Router, Terminal) weiterlaufen, damit Sie sauber abschließen können? Und was hängt außerhalb Ihres Betriebs am Strom? Der Baustein INF.2.A3 des BSI verlangt für Rechenzentren eine ausreichend dimensionierte USV, die regelmäßig nach den Intervallen des Herstellers gewartet und getestet wird, und bei Verbrauchsänderungen neu geprüft wird. Für Kassen gilt er nicht; übernehmen Sie die Prüfpunkte als Orientierung.
Welche Möglichkeiten gibt es?
| Möglichkeit | Was sie leistet | Grenze |
|---|---|---|
| Keine USV | Keine Kosten | Ein Ausfall unterbricht den Vorgang sofort |
| USV für Kasse und Router | Kasse bleibt kurz bedienbar, Verbindung bleibt | Drucker und Terminal laufen nur, wenn sie angeschlossen sind |
| USV für die ganze Kette | Bon, Zahlung und Verbindung laufen für die geplante Zeit | Höhere Leistung und größere Batterie nötig |
| Geräte mit eigenem Akku (Tablet, Handgerät, Terminal) | Gerät läuft ohne Netz weiter | Akku trägt nur das Gerät, nicht Drucker oder Router |
Ein Rechenbeispiel: Überbrückungszeit überschlagen
Beispielrechnung mit angenommenen Werten. Maßgeblich sind die Angaben auf den Typenschildern Ihrer Geräte und das Datenblatt der USV.
| Gerät | Dauerleistung (angenommen) | Spitzenleistung (angenommen) |
|---|---|---|
| Kassen-PC mit Bildschirm | 45 W | 45 W |
| Bondrucker | 24 W | 60 W |
| Router | 12 W | 12 W |
| Switch | 8 W | 8 W |
| Terminal-Ladestation | 6 W | 6 W |
| Summe | 95 W | 131 W |
Leistung: Die USV muss die Spitzen tragen. Mit 25 Prozent Reserve ergeben sich 131 W × 1,25 ≈ 164 W. Wählen Sie eine USV, deren Datenblatt mehr Watt nennt. Nennt das Datenblatt Leistung in VA und in W, halten Sie beide Grenzen ein; die Last der Geräte in VA ist aus den Watt-Werten nicht berechenbar, wenn der Leistungsfaktor der Geräte unbekannt ist. Fragen Sie im Zweifel den USV-Hersteller.
Zeit: Die nutzbare Energie ist die Batterieenergie mal einem Nutzungsfaktor, der Verluste und Alterung abdeckt. Angenommen: Batterie 12 V × 7 Ah = 84 Wh, Nutzungsfaktor 0,6. Dann gilt 84 Wh × 0,6 = 50,4 Wh nutzbar; 50,4 Wh ÷ 95 W ≈ 0,53 Stunden, also rund 32 Minuten. Umgekehrt: Für 15 Minuten (0,25 Stunden) brauchen die 95 W 95 × 0,25 = 23,75 Wh nutzbar, bei Faktor 0,6 also 23,75 ÷ 0,6 ≈ 40 Wh Batterieenergie. Nennt das Datenblatt der USV eine Laufzeit je Last, geht sie dem Überschlag vor.
Was eine USV nicht ersetzt
- Netz außerhalb Ihres Betriebs. Eine USV stellt einen ausgefallenen Anschluss Ihres Internetanbieters nicht wieder her. Ob dessen Netz bei Stromausfall weiterläuft, erfahren Sie nur von ihm. Fragen Sie auch, über welchen Weg Ihr Kartenterminal die Verbindung aufbaut.
- Datensicherung. Eine USV schützt vor Abschalten, nicht vor Datenverlust durch Defekt oder Fehlbedienung: Kassendaten sichern.
- Ein Notfallkonzept. Was Sie tun, wenn die Kasse länger ausfällt, regelt Notfallkasse; die Pflichten bei Kassenausfall stehen in den rechtlichen Artikeln Ihres Landes.
- Überspannungsschutz. Der Baustein INF.12.A7 verlangt, USV in das Überspannungsschutzkonzept aufzunehmen. Er ist für Institutionen geschrieben; für Ihren Betrieb ist es ein Prüfpunkt für die Elektrofachkraft.
- Wartung. Batterien altern. Halten Sie sich an die Wartungs- und Tauschintervalle des Herstellers; planen Sie den Tausch wie in Lebensdauer von Kassenhardware.
Prüfpunkte, die leicht übersehen werden
- Nur den Kassenrechner an die USV hängen, den Router aber nicht: Die Kasse läuft dann, die Verbindung fehlt.
- Drucker mit Spitzenleistung nicht mitrechnen: Beim Druck kann die USV Überlast melden.
- Nach Erweiterung um Küchendisplay oder Handgeräte nicht neu rechnen; INF.2.A3 verlangt für Rechenzentren die Prüfung nach relevanten Änderungen der Verbraucher.
- Die USV nie testen und die Batterie nie tauschen.
So gehen Sie vor
- Listen Sie alle Geräte der Kette mit Dauer- und Spitzenleistung aus dem Typenschild.
- Legen Sie die gewünschte Überbrückungszeit fest, zum Beispiel die Zeit bis zum sauberen Abschluss der laufenden Bons.
- Rechnen Sie Leistung und Energie wie im Beispiel und vergleichen Sie mit dem Datenblatt.
- Schließen Sie die Kette an die USV an und ziehen Sie zum Test den Netzstecker.
- Notieren Sie Prüf- und Tauschtermine der Batterie und rechnen Sie nach jeder Gerätezugabe neu.