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Self-Checkout: Kosten, Schwund und Wirtschaftlichkeit

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Kurz gesagt

Ob sich Self-Checkout rechnet, hängt an drei Größen: dem Anteil der Bons, der an die Stationen wechselt, den Stunden der Aufsicht, die bleiben, und dem zusätzlichen Schwund an den Stationen. In der Beispielrechnung mit erfundenen Werten (vier Stationen) ist der Saldo ab etwa 37 Prozent Bonanteil positiv und bleibt es bis etwa 1,4 Prozentpunkte zusätzlichem Schwund, jeweils bei sonst gleichen Annahmen.

Das Wichtigste

  • Saldo je Jahr = Personalersparnis minus Mehrschwund minus Jahreskosten der Stationen.
  • Der Mehrschwund wird zum Einstandspreis bewertet: Umsatz an den Stationen × Schwundzunahme × Wareneinsatzquote.
  • Beispielrechnung mit erfundenen Werten: 4 Stationen, 40 Prozent der Bons an den Stationen, 0,5 Prozentpunkte Mehrschwund ergeben einen Saldo von etwa 7.700 Euro im Jahr.
  • Die Aufsicht an den Stationen ist ein fixer Posten: Bei geringer Nutzung frisst sie die Ersparnis auf.
  • Alle Zahlen des Artikels sind Annahmen zum Nachrechnen, keine Marktwerte.

Eine Selbstbedienungskasse ersetzt Kassierzeit durch Gerätekosten und Aufsicht. Wie die Rechnung ausgeht, zeigt sich erst, wenn Sie drei Dinge getrennt betrachten: was die Stationen im Jahr kosten, welche Arbeitsstunden tatsächlich frei werden und was an Ware zusätzlich verloren geht. Dieser Artikel liefert die Formel und eine Beispielrechnung mit erfundenen Werten. Zur Einführung siehe Self-Checkout-Kasse im Handel, zur Altersfreigabe Altersprüfung am Self-Checkout.

Worum es bei der Rechnung geht

Verglichen werden zwei Betriebsweisen desselben Ladens: nur Bedienkassen gegenüber Bedienkassen plus Stationen. Die Rechnung gilt für einen Handelsbetrieb mit mehreren Kassen. Sie ist eine Entscheidungshilfe, kein Ranking und keine Prognose.

Die Formel

Größe Bedeutung Beispielwert (erfunden)
S Zahl der Stationen 4
p Anschaffungspreis je Station in Euro 15.000
F einmalige Kosten für Einrichtung, Montage, Schnittstelle in Euro 8.000
L angenommene Nutzungsdauer in Jahren 6
r laufende Kosten je Station und Jahr in Euro (Software, Support) 1.200
H Kassierstunden an Bedienkassen heute, Stunden je Jahr 10.000
a Anteil der Bons, der künftig an den Stationen abgewickelt wird 40 %
A Aufsichtsstunden an den Stationen, Stunden je Jahr 3.000
w Stundenkosten Personal inklusive Nebenkosten in Euro 28
U Nettojahresumsatz des Ladens in Euro 3.000.000
Δq Zunahme der Schwundquote an den Stationen in Prozentpunkten, bezogen auf den Nettoverkaufswert 0,5
W Wareneinsatzquote = Wareneinsatz ÷ Nettoverkaufspreis × 100 70 %

Jahreskosten K = (S × p + F) ÷ L + S × r.

Personalersparnis E = (H × a − A) × w. Sie nimmt an, dass die Kassierstunden im Verhältnis des Bonanteils wegfallen. Die Aufsicht bleibt in jedem Fall als fixer Posten.

Mehrschwund M = U × a × Δq × W. Der Umsatz an den Stationen ist U × a; das setzt voraus, dass die Bons an den Stationen im Durchschnitt so hoch sind wie alle anderen (Modellannahme; sonst setzen Sie den Umsatzanteil getrennt ein). Der Verlust wird zum Einstandspreis bewertet, nicht zum Verkaufspreis.

Saldo je Jahr = E − M − K.

Die Beispielrechnung

Mit den Werten der Tabelle: K = (4 × 15.000 + 8.000) ÷ 6 + 4 × 1.200 = 11.333 + 4.800 = 16.133 Euro. E = (10.000 × 0,4 − 3.000) × 28 = 28.000 Euro. M = 3.000.000 × 0,4 × 0,005 × 0,7 = 4.200 Euro. Der Saldo beträgt 28.000 − 4.200 − 16.133 = 7.667 Euro im Jahr.

Nicht in der Rechnung: Zahlungsgebühren, Bargeldhandling, Strom, Raum, Schulung, Zinsen, steuerliche Wirkung, Wirkung auf Umsatz oder Kundenzufriedenheit. Zur steuerlichen Behandlung klären Sie mit Ihrer Steuerberatung; dieser Artikel nennt dazu keine Regel.

Wie der Saldo auf den Schwund reagiert

Die Tabelle setzt a = 40 Prozent und verändert die Schwundzunahme Δq.

Schwundzunahme Δq (Prozentpunkte) Mehrschwund M in Euro Saldo in Euro
0 0 11.867
0,5 4.200 7.667
1,0 8.400 3.467
1,5 12.600 −733

Der Saldo ist positiv, solange Δq unter 11.867 ÷ (1.200.000 × 0,7) = 1,41 Prozentpunkten liegt. Bei einer Ausgangsschwundquote von 0,5 Prozent entspricht das 1,9 Prozent an den Stationen.

Wie der Saldo auf die Nutzung reagiert

Die Tabelle setzt Δq = 0,5 Prozentpunkte und verändert den Bonanteil a, bei gleicher Aufsicht A und gleicher Stationszahl.

Bonanteil a Personalersparnis E in Euro Mehrschwund M in Euro Saldo in Euro
20 % −28.000 2.100 −46.233
30 % 0 3.150 −19.283
40 % 28.000 4.200 7.667
50 % 56.000 5.250 34.617

Der Saldo ist positiv oberhalb von a = 37,16 Prozent. Die Tabelle verschweigt eine Grenze: Ob vier Stationen den Anteil von 50 Prozent bewältigen, sagt die Formel nicht. Bei kleinem a wird E negativ, weil die Aufsicht bleibt; ob Sie die Aufsicht dann anders einsetzen können, ist eine Betriebsfrage und keine Rechengröße.

Kriterien für das Angebot

Kriterium Warum es zählt Frage an den Anbieter
Preis je Station und Zahl der Stationen bestimmt K Was ist im Preis enthalten: Waage, Kartenterminal, Scanner?
Einmalkosten bestimmen F Sind Montage, Schnittstelle zur Warenwirtschaft und Schulung enthalten?
Laufende Kosten bestimmen r Wie wird die Lizenz berechnet: je Station, je Jahr, je Bon?
Aufsichtsbedarf bestimmt A Wie viele Stationen kann eine Person beaufsichtigen, und wie werden Freigaben ausgelöst?
Funktionen gegen Fehlbuchungen beeinflussen Δq Welche Kontrollen gibt es, und welche Daten liefern sie für Ihre Stichproben?
Ausfallverhalten beeinflusst die Nutzung Was passiert bei Netz- oder Kassenausfall?

Warnsignale in Angebot und Vertrag

  • Der Preis nennt keine Stückzahl der Stationen und keinen Leistungsumfang.
  • Die Wartung ist nur für die erste Zeit enthalten.
  • Aussagen zu Personalersparnis oder Schwund stehen im Angebot ohne Messgrundlage.
  • Die Schnittstelle zu Ihrer Kasse oder Warenwirtschaft ist nicht beschrieben.

Welche Größe für welchen Betrieb zählt

Die Tabelle ist redaktionelle Orientierung, welche Größe der Formel in welcher Lage die Rechnung bestimmt.

Lage Was die Rechnung bestimmt Was Sie prüfen
Kleiner Laden mit zwei bis drei Bedienkassen Die Aufsicht A ist im Verhältnis zu H groß Ob eine Person Aufsicht und Bedienkasse gleichzeitig abdecken kann
Großer Markt mit vielen Kassierstunden Der Bonanteil a und der Umsatz an den Stationen Wie viele Bons kleine Einkäufe sind, die an Stationen passen
Sortiment mit hohem Warenwert je Bon Mehrschwund M Welche Warengruppen Sie an den Stationen ausschließen
Sortiment mit vielen Wiegeartikeln Zeit je Bon und Aufsichtsbedarf Wie Waagen, Obst und Gemüse an den Stationen laufen

So rechnen Sie in fünf Schritten

  1. Setzen Sie die Posten aus dem Angebot für S, p, F, L und r ein und berechnen Sie K.
  2. Zählen Sie aus den Kassendaten der letzten zwölf Monate die Kassierstunden H und den Anteil kleiner Bons, die an den Stationen abwickelbar wären (a).
  3. Legen Sie die Aufsichtsstunden A fest, die Sie in jedem Fall besetzen.
  4. Bestimmen Sie die Ausgangsschwundquote aus Ihrer Inventur und schätzen Sie Δq; prüfen Sie den Wert in einer Testphase mit Stichproben.
  5. Berechnen Sie den Saldo und die Schwellen für a und Δq. Liegt Ihr erwarteter Bonanteil deutlich unter seiner Schwelle oder Ihre erwartete Schwundzunahme deutlich über ihrer, rechnet sich das System nach dieser Formel nicht. Hintergründe zu Inventurdifferenzen: Warenschwund und Inventurdifferenzen.

Häufige Fragen

Wie finde ich heraus, wie hoch der Schwund an den Stationen ist?

Lassen Sie in einer Testphase die Aufsicht an festen Tagen eine feste Zahl von Bons an den Stationen und an den Bedienkassen nachkontrollieren und zählen Sie die Abweichungen je 100 Bons. Das ersetzt keine Inventur, zeigt aber, ob die Stationen auffällig abweichen. Die Inventurdifferenz des ganzen Ladens lässt sich nicht den Stationen zuordnen.

Gilt die Rechnung auch für Österreich und die Schweiz?

Die Rechenlogik ja, die Beträge setzen Sie in Ihrer Währung ein (Euro oder CHF). Die rechtlichen Pflichten der Kassenführung unterscheiden sich je Land und stehen im Einführungsartikel.