Lieferservice starten: Eigener Dienst oder Plattform?
Kurz gesagt
Ob eigene Lieferung oder Plattform günstiger ist, entscheidet der Deckungsbeitrag je Bestellung, nicht der Provisionssatz. Rechnen Sie beide Wege mit Ihren eigenen Werten durch: Verpackung, Fahrer und Fahrzeug auf der einen Seite, Provision und entfallende Liefergebühr auf der anderen. Alle Zahlen in diesem Artikel sind Annahmen. Klären Sie Laufzeit, Datenzugang und Preisklausel, bevor Sie unterschreiben.
Das Wichtigste
- Verglichen wird der Deckungsbeitrag je Bestellung, nicht der Umsatz oder der Provisionssatz.
- Eigene Lieferung kostet je Bestellung Fahrerzeit, Fahrzeug und Verpackung, dazu monatliche Fixkosten.
- Wer liefert, steht im Vertrag; Provision und Liefergebühr sind eigene Vertragspunkte und getrennt abzufragen.
- Datenzugang und Preisfreiheit hängen am Vertrag und am eigenen Bestellweg, nicht daran, wer die Fahrt macht.
- Die Beispiele rechnen mit 30 Prozent Provision bei Plattformlieferung und 15 Prozent bei eigener Auslieferung.
- Alle Zahlen sind Annahmen, keine Marktpreise; holen Sie aktuelle Werte im Angebot ein.
Lieferung ist kein Nebenprodukt des Lokals, sondern ein eigener Kanal mit eigenen Kosten. Wer sie aufbaut, entscheidet zwischen zwei Wegen: selbst ausliefern oder eine Plattform nutzen, die Bestellannahme, Bezahlung und je nach Vertrag auch die Fahrt übernimmt. Beide Wege tragen dieselben Erlöse unterschiedlich ab, und beide lassen sich mit Ihren Zahlen durchrechnen. Dieser Artikel bewertet keinen Anbieter; Anbieterprofile finden Sie auf kassenvergleicher.de.
Worum es bei der Auswahl geht
Die Entscheidung hängt an vier Fragen, nicht am Provisionssatz allein: Wer liefert und trägt damit Fahrer- und Fahrzeugkosten? Wer bekommt die Kundendaten, und für welche Zwecke dürfen Sie sie nutzen? Wer setzt Preise und Menü, und was verlangt die Preisklausel? Und wie lange bindet der Vertrag Sie? Ein hoher Provisionssatz bei voller Auslieferung durch die Plattform kann billiger sein als ein eigener Fahrer, der nach jeder Tour leer zurückfährt.
Beide Wege brauchen auf der anderen Seite dieselbe Küche. Der Wareneinsatz eines Gerichts ist deshalb auf beiden Wegen gleich und kein Unterscheidungsmerkmal; er bleibt in der Rechnung unten außerhalb des Vergleichs. Preise, Provisionssätze und Bedingungen ändern sich, deshalb sind alle Werte im Beispiel Annahmen.
Die Rechnung folgt in Deutschland, Österreich und der Schweiz derselben Logik. In der Schweiz tragen Sie die Beträge in Franken ein und setzen die dortigen Lohn-, Treibstoff- und Versicherungswerte ein; mit diesen Werten verschieben sich auch die Schwellen unten.
Diese Kriterien zählen
Die Tabelle ordnet jedem Kriterium eine Prüfung und die Frage zu, die Sie dem Anbieter stellen.
| Kriterium | Warum es zählt | So prüfen Sie es | Frage an den Anbieter |
|---|---|---|---|
| Deckungsbeitrag je Bestellung | Ein Provisionssatz allein sagt nichts, weil auf der anderen Seite Fahrerkosten stehen | Beide Wege mit eigenen Werten rechnen | Wie hoch ist die Provision, und auf welchen Betrag fällt sie an? |
| Wer liefert | Bestimmt, ob Sie Fahrer und Fahrzeug bezahlen oder die Plattform mit eigenen Kurieren liefert | Im Vertrag nachsehen, wer die Auslieferung schuldet, und Provision und Liefergebühr getrennt abfragen | Übernimmt die Plattform die Auslieferung, mit welchen Fahrern, und welcher Provisionssatz gilt dann? |
| Provisionsbasis | Provision auf Warenwert oder auf Warenwert plus Liefergebühr verändert den Betrag je Bestellung | Ein Rechenbeispiel mit Ihrem Bestellwert anfordern | Auf welchen Betrag rechnen Sie die Provision, und gibt es einen Mindestbetrag je Bestellung? |
| Liefergebiet und Zeiten | Weite Gebiete und Randzeiten kosten Fahrerzeit, die Sie oder die Plattform tragen | Ihr Einzugsgebiet auf einer Karte abstecken | Welche Postleitzahlen und Zeiten deckt der Vertrag ab? |
| Kundendaten und Bestellhistorie | Ob Stammgäste später direkt bestellen, hängt an den Daten, die Sie erhalten, und daran, wie leicht Ihr eigener Bestellweg zu finden ist | Fragen, welche Daten Sie erhalten und nutzen dürfen, und den eigenen Bestellweg aus Kundensicht durchspielen | Erhalte ich Name und Anschrift, und für welche Zwecke darf ich Kundschaft ansprechen? |
| Preisgestaltung | Eine Preisgleichheitsklausel kann auch die Preise im eigenen Kanal binden und verhindert dann einen Zuschlag für die Plattformkosten | Preisklausel lesen und mit Ihrer Karte und Ihrem eigenen Bestellweg vergleichen | Muss ich dieselben Preise wie in der Karte verlangen? |
| Laufzeit und Kündigung | Ein langer Vertrag bindet Sie auch dann, wenn der Kanal nicht läuft | Laufzeit, Kündigungsfrist und Folgen der Kündigung notieren | Wie lange läuft der Vertrag, und was kostet ein vorzeitiges Ende? |
| Abrechnung und Zahlungsstrom | Wer den Zahlungsstrom hält, entscheidet über Auszahlungstempo und Rückbelastungen | Auszahlungsrhythmus und Abzüge erfragen | Wann wird ausgezahlt, und wer trägt Stornos und Rücklastschriften? |
| Anbindung an die Kasse | Zwei Systeme ohne Schnittstelle kosten Doppeleingaben und Fehler | Beim Kassenanbieter nach der Schnittstelle fragen | Ist die Anbindung an mein Kassensystem enthalten? |
| Ausfall und Ersatz | Fällt die Plattform oder ein Fahrer aus, steht die Bestellung | Vertragsklauseln zu Störungen und Ersatz suchen | Was passiert bei einem Ausfall, und wer trägt die Kosten? |
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Die Kosten verteilen sich auf drei Gruppen. Fragen Sie jeden Posten einzeln ab, sonst fehlt er in der Rechnung.
- Einmalig, eigener Weg: Warmhaltebehälter und Taschen, ein Fahrzeug oder dessen Einrichtung, die Einrichtung des eigenen Bestellwegs und die Anbindung an die Kasse.
- Laufend, eigener Weg: Fahrzeug, Wartung, eine Software für den Bestellweg, Telefon und eine Versicherung für die Auslieferung.
- Je Bestellung, eigener Weg: die Fahrerzeit, Kraftstoff oder Kilometerpauschale, die Verpackung und die Gebühren der angenommenen Zahlarten. Zahlungsgebühren behandelt Kartenzahlungsgebühren: Interchange, Scheme Fee und Händlerentgelt.
- Einmalig, Plattform: die Einrichtung des Kontos, Fotos und Menüpflege, eine Einrichtungsgebühr, falls vereinbart.
- Laufend, Plattform: eine monatliche Grundgebühr, falls vereinbart.
- Je Bestellung, Plattform: die Provision, die Verpackung und, wenn die Plattform liefert, die entfallende eigene Liefergebühr.
Der Wareneinsatz steht auf keiner der beiden Listen, weil er in beiden Fällen gleich ist. Wie Sie ihn für ein Gericht bestimmen, zeigt Kalkulation in der Gastronomie.
Beispielrechnung: Kosten je Bestellung
Alle Werte sind Annahmen zur Veranschaulichung und keine Preise eines Anbieters. Die beiden Provisionssätze sind für dieses Rechenbeispiel gewählt; welcher Satz bei welchem Liefermodell gilt, steht im Vertrag.
| Annahme | Wert |
|---|---|
| Durchschnittlicher Bestellwert (netto, ohne Liefergebühr) | 25,00 Euro |
| Verpackung je Bestellung | 0,60 Euro |
| Fahrer | 13,00 Euro je Stunde bei 2 Bestellungen je Stunde, also 6,50 Euro je Bestellung |
| Fahrzeug | 0,30 Euro je Kilometer bei 4 Kilometern je Bestellung, also 1,20 Euro |
| Liefergebühr im eigenen Kanal | 2,00 Euro |
| Provision, wenn die Plattform liefert | 30 Prozent des Bestellwerts, also 7,50 Euro |
| Provision, wenn Sie selbst liefern | 15 Prozent des Bestellwerts, also 3,75 Euro |
| Monatliche Fixkosten der eigenen Lieferung | 400,00 Euro bei 600 Bestellungen je Monat, also 0,67 Euro je Bestellung |
| Posten je Bestellung | Eigene Lieferung | Plattform liefert | Plattform vermittelt |
|---|---|---|---|
| Bestellwert netto | 25,00 Euro | 25,00 Euro | 25,00 Euro |
| Liefergebühr an Sie | 2,00 Euro | 0,00 Euro | 2,00 Euro |
| Verpackung | −0,60 Euro | −0,60 Euro | −0,60 Euro |
| Fahrer | −6,50 Euro | 0,00 Euro | −6,50 Euro |
| Fahrzeug | −1,20 Euro | 0,00 Euro | −1,20 Euro |
| Provision | 0,00 Euro | −7,50 Euro | −3,75 Euro |
| Fixkostenanteil | −0,67 Euro | 0,00 Euro | −0,67 Euro |
| Deckungsbeitrag vor Wareneinsatz | 18,03 Euro | 16,90 Euro | 14,28 Euro |
Der Wareneinsatz von 30 Prozent, also 7,50 Euro, ist auf allen Wegen gleich; nach seinem Abzug bleiben 10,53, 9,40 und 6,78 Euro je Bestellung. Unter diesen Annahmen liegt die eigene Lieferung mit Liefergebühr vorn, und die Vermittlung, bei der Sie selbst fahren, ist der teuerste Weg.
Entscheidend ist die Schwelle. Gleichauf stehen eigene Lieferung und Plattform mit eigenem Fahrerteam bei einer Provision von rund 6,37 Euro, also 25,5 Prozent des Bestellwerts. Verzichten Sie im eigenen Kanal auf eine Liefergebühr, sinkt der eigene Deckungsbeitrag auf 16,03 Euro und die Schwelle steigt auf 8,37 Euro oder 33,5 Prozent. Wie sich diese Schwelle mit Ihren Zahlen verschiebt, rechnet Lieferplattform-Provision gegen eigenen Bestellweg im Detail.
Nicht enthalten sind Fahrzeugausfall, Neuanschaffung und Ersatz von Warmhaltebehältern. Tragen Sie diese Posten ein, sobald Sie sie kennen.
Warnsignale in Angebot und Vertrag
- Die Provision fällt auf den Bruttobestellwert einschließlich der Liefergebühr an, ohne dass der Betrag im Vertrag steht.
- Ein Mindestumsatz oder eine Mindestbestellzahl, unterhalb derer die Provision nicht sinkt.
- Exklusivität: ein Verbot, parallel einen weiteren Bestellweg oder eine weitere Plattform zu betreiben.
- Preisbindung an die Kartenpreise, die auch Ihren eigenen Kanal erfasst und damit keinen Zuschlag für die Plattformkosten zulässt.
- Keine Angabe, welche Kundendaten Sie erhalten und nutzen dürfen.
- Eine Laufzeit, die länger ist als die Amortisation von Einrichtung und Fotos.
- Automatische Verlängerung oder Kündigung nur per Einschreiben mit langer Kündigungsfrist.
- Keine Regelung für Störung, Falschlieferung oder Ausfall des Fahrers.
Welche Kriterien für welchen Betrieb
Die Tabelle ist eine Orientierung nach Lage, kein Urteil.
| Lage | Worauf es ankommt | Eher prüfen |
|---|---|---|
| Kleinbetrieb, wenige Bestellungen am Tag | Fixkosten je Bestellung | Plattform, die selbst liefert, statt eigener Fahrer |
| Stoßzeiten mit mehreren parallelen Bestellungen | Verfügbarkeit von Fahrern | eigenes Team oder beauftragte Flotte |
| Stammgäste und wiederkehrende Bestellungen | Kundendaten und Wiederkontakt | eigener Bestellweg mit gespeicherten Adressen |
| Weites, dünn besiedeltes Einzugsgebiet | Fahrzeit je Bestellung | Plattform oder höherer Mindestbestellwert |
| Eigene Website und Kasse mit Schnittstelle | Kosten je Kanal | eigener Kanal als Hauptweg, Plattform als Zusatz |
| Saisonbetrieb oder einzelne Aktionen | Bindung | kurze Laufzeit, keine Exklusivität |
So vergleichen Sie in fünf Schritten
- Schätzen Sie Bestellwert und Bestellzahl je Monat getrennt für Stoßzeit und Nebenzeit.
- Sammeln Sie die Posten des eigenen Weges: Fahrerzeit, Fahrzeug, Verpackung und die monatlichen Fixkosten je Bestellung.
- Verlangen Sie von jeder Plattform dieselben Angaben: Provision und Basis, Preisklausel, wer liefert, Laufzeit, Kundendaten und Auszahlung.
- Rechnen Sie den Deckungsbeitrag je Bestellung für beide Wege wie in der Tabelle oben.
- Bestimmen Sie die Schwelle: ab welchem Provisionssatz der eigene Weg besser ist und ab welcher Bestellzahl ein eigener Fahrer seine Stunde verdient.
Für die Angaben am Bestellweg selbst sind Allergeninformation bei Lieferung und Online-Bestellung und Außer-Haus-Verkauf die nächsten Seiten. Wie Bestellungen aus der Plattform in Küche und Kasse laufen, zeigt Ghost Kitchen: Kasse und Bestelltechnik.