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EAN und GTIN: Unterschied, Aufbau, Prüfziffer

Aktualisiert:

Kurz gesagt

EAN und GTIN bezeichnen dieselbe Produktidentifikation: EAN ist der frühere Name der Nummer, GTIN der heutige Begriff der GS1. Eine GTIN-13 besteht aus 13 Ziffern einschließlich einer Prüfziffer und kann an der Kasse als EAN-13-Strichcode oder in der GS1-DataBar-Familie dargestellt werden. Die GS1-Regeln sind ein Industriestandard, der über Verträge wirkt, kein Gesetz.

Das Wichtigste

  • GTIN ist der heutige Name; EAN-13 ist ein überholter Begriff für die GTIN-13 (GS1 General Specifications 26.0).
  • GTIN-13: 13 Stellen aus GS1-Basisnummer, Produktreferenz und Prüfziffer.
  • Prüfziffer: Stellen von rechts abwechselnd mit 3 und 1 multiplizieren; Prüfziffer ist der Abstand der Summe zum nächsten Zehnerfachen.
  • An der Kasse tragen EAN-13-Strichcode oder GS1 DataBar die GTIN-13; EAN-8 trägt GTIN-8 auf kleinen Packungen, ITF-14 trägt GTIN-14 auf Umkartons und Gruppierungen.
  • Die Nummern vergibt die jeweilige GS1-Mitgliedsorganisation als Basisnummer, in Deutschland GS1 Germany.

Definition

GTIN ist die heute gültige Bezeichnung der GS1 für die Artikelnummer, mit der ein Unternehmen ein Handelsprodukt eindeutig kennzeichnet; Handelsprodukte sind Waren oder Leistungen, die in der Lieferkette bestellt, abgerechnet oder verkauft werden. EAN ist der frühere Name derselben Nummer: Die GS1 General Specifications führen EAN-13 ausdrücklich als überholten Begriff, der durch GTIN-13 ersetzt wurde.

Aufbau und Barcode-Formate

Eine GTIN-13 besteht aus 13 Ziffern: der GS1-Basisnummer des Unternehmens, der Produktreferenz und der Prüfziffer. Eine GTIN-8 hat nur 8 Stellen und wird auf Antrag einzeln vergeben, wenn die Verpackung keinen Platz für einen EAN-13-Strichcode lässt. Für Gruppierungen identischer Artikel hat der Hersteller die Wahl: Er kann jeder Gruppierung eine eigene GTIN-13 oder GTIN-12 geben oder eine 14-stellige GTIN-14 bilden. Die GTIN-14 enthält die GTIN des gruppierten Artikels ohne Prüfziffer, ergänzt um eine Vorlaufziffer 1 bis 8 und eine neu berechnete Prüfziffer; sie kann auch auf einer GTIN-8 oder GTIN-12 aufbauen.

Als Datenträger an der Kasse sieht der Standard die EAN/UPC-Familie oder die GS1-DataBar-Familie vor; während einer Übergangszeit dürfen zusätzliche 2D-Codes aufgedruckt sein. Welche Nummer in welchem Code erscheint, zeigt die Tabelle:

Code Stellen Strichcode Wo er erscheint
GTIN-13 13 EAN-13 Einzelhandelsverpackungen, an der Kasse gescannt
GTIN-13 13 GS1 DataBar Alternative zum EAN-13-Code an der Kasse
GTIN-8 8 EAN-8 kleine Packungen ohne Platz für EAN-13
GTIN-12 12 UPC-A Artikel, die mit UPC-Nummern geführt werden
GTIN-14 14 ITF-14 Umkartons und Gruppierungen in der Lieferkette

Die gescannte Nummer landet in der Artikelstammdaten der Warenwirtschaft.

Beispielrechnung der Prüfziffer

Beispielrechnung: Für die zwölf Ziffern 401234567890 wird die dreizehnte Stelle gesucht. Nach Abschnitt 7.9.1 der GS1 General Specifications werden die Stellen von rechts beginnend abwechselnd mit 3 und 1 multipliziert, die letzte Stelle vor der Prüfziffer also mit 3:

Stelle 4 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0
Gewicht 1 3 1 3 1 3 1 3 1 3 1 3
Produkt 4 0 1 6 3 12 5 18 7 24 9 0

Die Produkte ergeben die Summe 89. Das nächste Zehnerfache ist 90; der Abstand 90 minus 89 ist die Prüfziffer 1. Die vollständige GTIN-13 lautet 4012345678901. Der Strichcodeleser prüft diese Ziffer beim Scannen automatisch.

Abgrenzung und Geltung

Die GS1-Regeln sind ein Industriestandard, kein Gesetz: Sie verpflichten über Verträge und Geschäftspraxis, nicht unmittelbar kraft Gesetzes. Nicht zu verwechseln ist die GTIN mit der GLN, der Nummer für Unternehmen und Standorte, oder mit der SSCC für Versandeinheiten; auch bezeichnet GTIN die Nummer selbst, nicht den Strichcode. Auch Loseware kann mit einer GTIN laufen: Stückweise verkaufte Loseware trägt eine GTIN wie verpackte Ware, und variable Mengen erfasst die Kasse über eine GTIN mit Zusatzdaten im GS1 DataBar Expanded. Für frische Loseware steht daneben die PLU der IFPS zur Verfügung, die die Kasse als Artikelnummer aufruft.

Häufige Fragen

Wer vergibt die Nummern?

Die GS1-Basisnummern vergibt die jeweilige GS1-Mitgliedsorganisation, in Deutschland GS1 Germany. Aus der Basisnummer bildet das Unternehmen die Referenznummern seiner Artikel selbst. GTIN-8-Kurznummern vergibt die Mitgliedsorganisation auf Antrag einzeln, für Packungen, auf denen ein EAN-13-Strichcode keinen Platz hat.

Ist die GTIN ein Barcode?

Nein. Die GTIN ist die Nummer, der Barcode ihre maschinenlesbare Darstellung. Dieselbe GTIN-13 kann als EAN-13-Strichcode, in einem GS1-DataBar-Code oder während einer Übergangszeit zusätzlich in einem 2D-Code aufgedruckt sein; welchen Code eine Verpackung trägt, entscheidet der Einsatzbereich.

Muss ich GTINs verwenden?

Nicht kraft Gesetzes: Die GS1-Regeln sind ein Industriestandard und wirken über Verträge und Geschäftspraxis, etwa mit Handelspartnern oder Marktplätzen. Ob Ihr Vertriebsweg GTINs verlangt, steht in Ihren Händler- und Lieferverträgen; klären Sie das dort.

Quellen

  1. GS1 General Specifications Standard, Release 26.0, Ratified January 2026, Abschnitte 2.1.3, 2.1.3.1, 2.1.3.3, 2.1.3.6, 2.1.7.2, 2.1.12, 2.1.14.1 und 7.9.1 (PDF)GS1 AISBL · abgerufen am
  2. Global Trade Item Number (GTIN), StandardseiteGS1 AISBL · abgerufen am
  3. EAN/GTIN Barcode: Arten, Einsatzzweck und Vergabe der NummernGS1 Germany · abgerufen am