Kassenhardware im Freien: Hitze, Regen, Sonne
Kurz gesagt
Für Kassenhardware im Freien lesen Sie im Datenblatt drei Dinge getrennt: die IP-Schutzart mit ihren zwei Ziffern für Staub und Wasser, den Betriebstemperaturbereich und die Displayhelligkeit. Die BGN nennt für ungeschützt im Freien verwendete Betriebsmittel mindestens IP X3. Hitze und Blendung deckt die IP-Angabe nicht ab.
Das Wichtigste
- Die Schutzart nach DIN EN 60529 besteht aus IP und zwei Ziffern: die erste für Berührungs- und Fremdkörperschutz, die zweite für Schutz gegen Wasser.
- Ein X an einer Stelle bedeutet, dass für diese Ziffer keine Angabe gemacht wird.
- Nach der Arbeitssicherheitsinformation der BGN müssen ungeschützt im Freien verwendete Betriebsmittel mindestens IP X3 aufweisen (Sprühwasser bis 60 Grad); die Information ist kein Gesetz.
- IEC 60529 klassifiziert Schutzgrade von Gehäusen elektrischer Betriebsmittel bis 72,5 kV Bemessungsspannung; Temperatur und Blendung sind nicht Gegenstand der Klassifizierung.
Eine Kasse auf der Terrasse, am Marktstand oder am Biergartenausschank trifft auf Dinge, die ein Ladentisch nicht kennt: Spritzwasser, Staub, Sonne, die auf das Display fällt, und Hitze im Gehäuse. Das Datenblatt der Geräte gibt Auskunft, wenn Sie die Angaben einzeln lesen. Dieser Artikel zeigt, welche Angaben das sind und wie Sie sie prüfen. Er behandelt Eigenschaften der Geräte; Pflichten für Kassen auf Märkten und Festen stehen in den Rechtsartikeln, zum Beispiel Registrierkassenpflicht bei Vereinsfesten und Märkten.
Wie funktioniert die IP-Schutzart?
Die Schutzart gibt an, in welchem Maß ein elektrisches Betriebsmittel gegen das Eindringen von Fremdkörpern, Wasser und gegen Berührung geschützt ist. Nach DIN EN 60529 wird sie als IP-Code mit Buchstaben-Ziffern-Kombination angegeben, zum Beispiel IP 23 (BGN, ASI 3.10). Die erste Ziffer betrifft Berührungs- und Fremdkörperschutz, die zweite den Schutz gegen Wasser. Fehlt eine Angabe, steht ein X an ihrer Stelle.
Die Tabelle zeigt, was die Ziffern bedeuten, soweit sie für den Außeneinsatz eine Rolle spielen können:
| Ziffer | Erste Ziffer (Fremdkörper) | Zweite Ziffer (Wasser) |
|---|---|---|
| 3 | feste Fremdkörper größer 2,5 mm | Sprühwasser (bis 60 Grad) |
| 4 | feste Fremdkörper größer 1 mm | Spritzwasser (winkelunabhängig) |
| 5 | staubgeschützt | Strahlwasser |
| 6 | staubdicht | sehr starkes Strahlwasser |
| 7 | kurzzeitiges Eintauchen |
Quelle: BGN, ASI 3.10, Tabelle 2 nach DIN EN 60529; die Tabelle ist gekürzt. Die Norm selbst, international IEC 60529, klassifiziert Schutzgrade von Gehäusen für elektrische Betriebsmittel mit einer Bemessungsspannung bis 72,5 kV (IEC Webstore). Wann eine Norm rechtlich bindet, hängt davon ab, ob ein Gesetz oder Ihr Vertrag darauf verweist; für die Wahl der Kassenhardware ist sie eine Vergleichsgrundlage.
Die BGN nennt als Orientierung für den Außeneinsatz: Betriebsmittel, die ungeschützt im Freien verwendet werden, müssen mindestens IP X3 aufweisen (ASI 3.10, Stand 2015). Das ist eine Information der Berufsgenossenschaft, kein Gesetz, und eine Mindestangabe zum Wasser. Welche Ziffer für Staub gebraucht wird, hängt von Ihrem Standort ab, etwa vom Sandplatz oder vom Kiesweg.
Die Datenblatt-Checkliste für den Außeneinsatz
Lesen Sie die Angaben getrennt und notieren Sie, was das Datenblatt zusagt und was nicht:
| Angabe | Was Sie im Datenblatt suchen | Frage, wenn die Angabe fehlt |
|---|---|---|
| Schutzart Wasser | zweite Ziffer des IP-Codes, mindestens 3 bei ungeschütztem Einsatz im Freien (BGN-Orientierung) | Auf welche Teile bezieht sich die Angabe, nur auf das verschlossene Gehäuse? |
| Schutzart Staub | erste Ziffer | Ist das Gerät für Sand oder Kies am Standort ausgelegt? |
| Betriebstemperatur | Temperaturbereich für den Betrieb, getrennt vom Bereich für die Lagerung | Bis zu welcher Umgebungstemperatur darf das Gerät im Betrieb laufen? |
| Displayhelligkeit | Helligkeit in cd/m² und Entspiegelung | Ist das Display bei direktem Sonnenlicht ablesbar? Probieren Sie es zur Tageszeit am Standort aus. |
| Akku | Betriebs- und Ladetemperatur des Akkus | Darf der Akku bei Hitze geladen werden? |
| Drucker | Beschreibung des Thermopapiers und der Druckkopf-Umgebung | Welche Umgebungstemperatur verträgt der Thermodrucker? Hinweise zu Papier stehen in Thermopapier: Lesbarkeit und Aufbewahrung |
| Stromversorgung | Netzteil und Steckverbindungen im Freien, Notstrom | Wie sind Netzteil und Steckverbindungen gegen Wasser geschützt? Siehe auch Notstrom und USV für die Kasse |
IP-Angaben ersetzen keine Prüfung der Temperatur und der Blendung: Der IP-Code betrifft das Eindringen von Fremdkörpern, Wasser und Berührung, nicht die Temperatur im Gehäuse und nicht die Ablesbarkeit des Displays.
Ein Rechenbeispiel
Die folgenden Datenblattwerte sind erfunden. Ein Gerät trägt die Angabe IP54, einen Betriebsbereich von 0 bis 40 Grad Celsius und eine Helligkeit von 400 cd/m².
- IP5X bedeutet staubgeschützt, IPX4 Schutz gegen Spritzwasser. Die zweite Ziffer liegt über der BGN-Orientierung IP X3.
- Den Betriebsbereich vergleichen Sie mit der Temperatur am Standort. Stellen Sie im Sommer ein Thermometer an den geplanten Platz, am besten dorthin, wo die Sonne hinfällt. Liegt die gemessene Temperatur über 40 Grad Celsius, ist die Obergrenze laut Datenblatt überschritten.
- Die Helligkeit prüfen Sie nicht nur im Datenblatt, sondern am Ort, an dem das Gerät stehen soll.
Fehler, die Sie vermeiden
- Die IP-Angabe als Gesamtzahl lesen: Die beiden Ziffern sind getrennte Angaben, ein höherer Wert in der einen sagt nichts über die andere.
- Eine Schutzart annehmen, die das Datenblatt nicht nennt: Fehlt eine Ziffer, steht an ihrer Stelle ein X.
- Gerät im Dauersonnenlicht aufstellen, ohne Betriebstemperatur und Helligkeit zu prüfen.
- Thermopapier und Drucker bei Hitze vergessen.
So gehen Sie vor
- Messen Sie am Standort Sonne, Schatten, Spritzwasser und Staub.
- Legen Sie eine Mindestschutzart fest, die zum Standort passt (bei ungeschütztem Einsatz im Freien nennt die BGN IP X3 als Untergrenze für das Wasser).
- Lesen Sie Betriebstemperatur und Helligkeit im Datenblatt und prüfen Sie sie am Standort.
- Fragen Sie den Anbieter nach allem, was das Datenblatt offen lässt, und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben.
- Testen Sie das Gerät einen Tag lang unter den Bedingungen, bevor Sie es einführen. Zur Auswahl mobiler Lösungen hilft Mobile Kasse: Einsatzbereiche, Technik und Grenzen.