Ausfallsicherheit der Kasse: Kriterien und Fragen
Kurz gesagt
Bewerten Sie die Ausfallsicherheit in drei Ebenen: Kassengerät mit Strom und Daten, Ihr Netz und die Server des Anbieters. Legen Sie je Ebene einen Zielwert fest: längste Ausfallzeit, Wiederanlaufzeit und erlaubter Datenverlust. Fragen Sie jeden Anbieter schriftlich nach denselben Werten. Ein Prozentwert für die Jahresverfügbarkeit genügt nicht, weil schon eine einzelne lange Störung über Ihre Toleranz hinausgehen kann.
Das Wichtigste
- Geprüft werden drei Ebenen: Kassengerät mit Strom und Daten, Netz und Verbindung, Server des Anbieters.
- Der BSI-Standard 200-4 trennt vier Kenngrößen: maximal tolerierbare Ausfallzeit, Wiederanlaufzeit, erlaubter Datenverlust und Notbetriebsniveau.
- Prozentuale Jahresverfügbarkeit und die längste Dauer eines einzelnen Ausfalls sind zwei verschiedene Zusagen.
- Für ausgelagerte Dienste nennt der Standard Anforderungen an die Notfallfähigkeit des Anbieters im Vertrag und deren laufende Bewertung.
- Die Zielwerte sind Anforderungen an das Angebot; die rechtlichen Pflichten beim Ausfall behandelt dieser Artikel nicht.
Ein Ausfall kann mehrere Teile des Kassenplatzes zugleich treffen: Gerät, Strom, Netz und die Server des Anbieters. Welcher Teil zuerst betroffen ist und was dann noch verkauft werden kann, hängt von Ihrer Verkabelung und dem gebuchten Dienst ab; legen Sie beides vor dem Kauf in Zielwerten fest. So lassen sich Angebote auf derselben Skala vergleichen. Dieser Artikel nennt keine Anbieter und keine Preise.
Worum es bei der Auswahl geht
Prüfen Sie zuerst, was an Ihrem Kassenplatz von einem Ausfall abhängt, und ordnen Sie es einer von drei Ebenen zu. Ebene eins ist das Gerät am Kassenplatz: Stromversorgung, Drucker, Speicher, Kartenzahlung, Ersatzteil. Ebene zwei ist das Netz: Internetzugang, Router, lokales Netz und der Weg zum Zahlungsdienstleister. Ebene drei sind die Server des Anbieters, sobald Verkauf, Anmeldung, Auswertung oder Sicherheitseinrichtung dort laufen.
Ohne Zielwert bleibt jede Anbieterantwort eine Beschreibung. Der BSI-Standard 200-4 Business Continuity Management (Version 1.0, Mai 2023) liefert dafür vier Kenngrößen: die maximal tolerierbare Ausfallzeit (MTA, englisch MTPD), die geforderte Wiederanlaufzeit (RTO), den maximal zulässigen Datenverlust (RPO) und das Notbetriebsniveau, also das Mindestmaß an Leistung, das im Ausfall erhalten bleiben soll (Kapitel 7). Die Wiederanlaufzeit muss kürzer sein als die Ausfallzeit, weil Erkennung, Alarmierung und Inbetriebnahme Zeit kosten.
Der Standard des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik bindet nur, wo ein Gesetz oder ein Vertrag auf ihn verweist. Im Einkauf wirkt er als Prüfraster, aus dem Fragen und Vertragszusagen werden. Der Standard baut auf der Norm ISO 22301:2019 auf, dem internationalen Standard für ein Business-Continuity-Management-System, der auch eine Zertifizierung ermöglicht (Kapitel 2.5).
Ein Prozentwert aus einem Servicevertrag ist etwas anderes als eine Ausfallzeit. Der Standard rechnet 99,9 Prozent, auf ein Geschäftsjahr bezogen, in 8,76 Stunden Ausfall um, die sich über viele kleine Störungen verteilen dürfen, und hält gleichzeitig fest, dass ein einziges langes Ereignis für einen zeitkritischen Prozess schon nicht mehr tragbar sein kann (Kapitel 2.4.1 und 7). Deshalb gehört neben den Prozentwert immer die längste Dauer je Ereignis.
Diese Kriterien zählen
Die Tabellen geben je Kriterium einen Musterwert für Ihre Anforderungsliste. Er ist ein redaktioneller Zielwert, keine Marktangabe; ersetzen Sie ihn durch Ihre eigene Zahl.
Gerät, Strom und Daten
| Kriterium | Zielwert (Musterwert) | So prüfen Sie es | Frage an den Anbieter |
|---|---|---|---|
| Verkauf ohne Verbindung | Verkaufen, Beleg und Laden über mindestens zwei Stunden | Verbindung in der Probezeit trennen (Kasse ohne Internet) | Wie lange ist der Offline-Modus ausgelegt, und endet er nach Zeit oder Anzahl? |
| Stromausfall mitten im Vorgang | Kasse, Drucker und Router überbrücken 15 Minuten, damit der Vorgang endet | Netzstecker ziehen und einen Bon drucken (Notstrom und USV) | Welche Geräte hält die unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV), und was passiert im laufenden Bonvorgang? |
| Datenverlust nach Absturz | höchstens fünf Minuten Verkaufsdaten | Gerät während einer Buchung abschalten, nach dem Neustart prüfen | Wie alt ist der letzte gesicherte Stand, und wie lange dauert das Zurückspielen? |
| Ersatzgerät und Ersatzteile | Austausch am selben Werktag, Netzteil und Papier am Kassenplatz | Ersatzteilliste schriftlich anfordern | Welches Ersatzgerät kommt in welcher Frist, und wer trägt die Kosten? |
| Sicherheitseinrichtung | Verkauf und Beleg laufen ohne Verbindung, Ausfall für die Bedienung sichtbar | Im Test den Zustand der Sicherheitseinrichtung ablesen | Arbeitet die Sicherheitseinrichtung ohne Verbindung, und wie zeigt das System den Ausfall an? |
In Deutschland heißt diese Einrichtung TSE, in Österreich Signatur- oder Siegelerstellungseinheit. Welche Pflichten beim Ausfall gelten, behandelt dieser Artikel nicht; die Regeln stehen in Kasse ohne Internet.
Netz und Verbindung
| Kriterium | Zielwert (Musterwert) | So prüfen Sie es | Frage an den Anbieter |
|---|---|---|---|
| Zweiter Weg ins Internet | Festnetz plus Mobilfunk, Umschalten innerhalb von fünf Minuten | Router abziehen und einen Kartenverkauf versuchen | Gibt es einen zweiten Weg, und schaltet das System selbst um? |
| Routerausfall | Ersatzrouter im Haus, Sicherung der Konfiguration | Sicherung zeigen lassen (NET.3.1.A8) | Wo liegt die Konfigurationssicherung, und wer spielt sie ein? |
| Handlungsanweisungen | Blatt mit den Schritten, Kontaktliste und Zielwerten in Papierform | Am Kassenplatz nachsehen (NET.3.1.A22, DER.4.A1) | Welche Anleitung bekomme ich für den Ausfall? |
| Lokales Netz ohne Internet | Bestellung zwischen Bedienung, Küche und Kasse läuft weiter | Internet trennen, Testbestellung senden (Kassennetz planen) | Was funktioniert im lokalen Netz ohne Internet? |
Server und Dienste des Anbieters
| Kriterium | Zielwert (Musterwert) | So prüfen Sie es | Frage an den Anbieter |
|---|---|---|---|
| Zugesicherte Verfügbarkeit | 99,9 Prozent, mit Definition, welche Ausfälle mitzählen | Vertragsklausel lesen (Support und Service prüfen) | Wie ist die Verfügbarkeit zugesichert, und welche Ausfälle zählen nicht? |
| Längste Dauer je Ereignis | höchstens vier Stunden | Aus Ihrer Ausfallzeit ableiten | Wie lange darf eine einzelne Störung dauern, und was passiert danach? |
| Wiederanlauf und Datenverlust des Dienstes | Wiederanlauf vier Stunden, Datenverlust 15 Minuten | Sicherungsplan und letzten Wiederherstellungstest anfordern (CON.3.A15) | Wie oft sichern Sie, wie lange dauert das Zurückspielen, wann zuletzt geprüft? |
| Wartungsfenster | außerhalb Ihrer Öffnungszeiten, angekündigt, ohne Verkaufsstopp | Wartungsplan anfordern | Wann und wie lange warten Sie, und was geht in dieser Zeit nicht? |
| Ausfallkommunikation | benannte Kontaktperson, Statusmeldung, Eskalationsweg | Kontaktliste ins Notfallhandbuch (OPS.2.2.A9, A11) | Wen erreiche ich im Ausfall, über welchen Kanal, in welcher Zeit? |
| Nachweis und Subunternehmer | Nachweis nach einem anerkannten Regelwerk (z. B. IT-Grundschutz, ISO/IEC 27001, C5, CCM), Geltungsbereich erfasst den gebuchten Dienst; Subunternehmer offengelegt | Bericht mit Geltungsbereich und Schutzbedarf prüfen und abfragen, ob er die Notfallfähigkeit einschließt (OPS.2.2.A13; BCM-01 bis BCM-04 in C5:2026) | Welchen Prüfbericht legen Sie vor, erfasst er meinen Dienst und die Notfallfähigkeit, und wer ist Subunternehmer? |
| Wiederaufnahme ohne Anbieter | Datenexport und Weiterbetrieb aus eigener Kraft | Exportweg zeigen lassen (Vorsorge bei Insolvenz) | Wie komme ich an meine Daten, und wie betreibe ich die Kasse ohne Sie weiter? |
Wie Sie Ihre Zielwerte festlegen
Zielwerte leiten Sie aus dem Schaden ab, den ein Ausfall in Ihrer Spitzenstunde verursacht. Der BSI-Standard nennt die maximal tolerierbare Ausfallzeit je Geschäftsprozess die Grundlage; die Wiederanlaufzeit wird daraus abgeleitet und bleibt mit Puffer darunter (Kapitel 7).
Ein Beispiel: In der Spitzenstunde eines Ladens laufen 80 Bons über die einzige Kasse, der Durchschnittsbon liegt bei 9,50 Euro, also 760 Euro in der Stunde oder 12,67 Euro je Minute. Fällt diese Kasse aus, setzen Sie die Ausfallzeit auf 15 Minuten und daraus eine Wiederanlaufzeit von 10 Minuten, mit fünf Minuten Puffer für Erkennen und Neustart. Für dieselbe Kasse legen Sie den erlaubten Datenverlust auf fünf Minuten fest; daraus folgt, wie oft gesichert oder nachgebucht wird. Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen; Ihre Werte stammen aus Ihren eigenen Berichten. In der Schweiz rechnen Sie mit Franken, der Rechenweg bleibt gleich.
Nutzen mehrere Kassen denselben Server, dasselbe Netz oder dieselbe Sicherung, gilt der kleinste Zielwert. Tragen Sie die Werte in eine Tabelle mit den Spalten Ebene, Kriterium, Zielwert, Nachweis und Kostenposten ein; so wird das Angebot vergleichbar.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Preise hängen vom Angebot ab; lassen Sie jeden Posten einzeln beziffern und einmalige von laufenden Zahlungen trennen.
- Zweiter Internetzugang oder Reserverouter, einschließlich Einrichtung und laufendem Entgelt
- USV für Kasse, Drucker und Router samt Batteriewechsel
- Ersatzgerät oder Ersatzteilpaket am Standort
- Höhere Service-Stufe mit kürzerer Reaktionszeit statt Grundbetreuung
- Zweiter Kassenplatz oder zweite Lizenz für den Notbetrieb
- Speichermedium oder Speicherplatz für Sicherungen, getrennt vom Gerät (CON.3.A12)
- Personalzeit für Tests, Übungen und das Notfallhandbuch
- Aufwand für Export und Datenübernahme, wenn Sie den Anbieter wechseln
Warnsignale in Angebot und Vertrag
- Die Verfügbarkeit steht nur als Prozentwert, ohne längste Dauer je Ereignis und ohne Definition der Ausnahmen.
- Wartungsfenster liegen in Ihren Öffnungszeiten, und ein Ersatzbetrieb ist nicht benannt.
- Der Offline-Modus wird zugesagt, aber in der Vorführung nicht gezeigt.
- Für den Ausfall gibt es keinen benannten Kontakt und keine Statusmeldung.
- Sicherungsintervalle des Dienstes und ein Wiederherstellungstest sind nicht dokumentiert.
- Die Wiederaufnahme ohne den Anbieter und der Datenexport bleiben mündlich.
Welche Kriterien für welchen Betrieb
Die Zuordnung ist eine redaktionelle Einschätzung, kein Marktvergleich.
| Betrieb | Was am stärksten zählt | Erster Prüfschritt |
|---|---|---|
| Laden mit einem Kassenplatz und Wochenendspitze | Wiederanlauf des Geräts und zweiter Weg ins Internet | Router abziehen und weiterverkaufen |
| Gastronomie mit mehreren Stationen und Küche | lokales Netz ohne Internet | Testbestellung bei getrennter Leitung |
| Marktstand, Foodtruck, Veranstaltung mit schwachem Netz | Verkauf, Beleg und Karte ohne Verbindung | Offlineverkauf über die geplante Ausfalldauer testen |
| Cloud-Kasse an einem Standort | Server des Anbieters: Verfügbarkeit, Wartung, Wiederanlauf | Vertragsklauseln und Prüfbericht anfordern |
| Mehrere Standorte mit zentraler Verwaltung | Wiederaufnahme ohne Anbieter und Portabilität | Exportweg und Ausstiegsklausel prüfen |
So vergleichen Sie in fünf Schritten
- Notieren Sie je Prozess die tolerierbare Ausfallzeit, das Notbetriebsniveau und den erlaubten Datenverlust.
- Übersetzen Sie diese Werte in Zielwerte für Gerät, Netz und Server und tragen Sie sie in eine Vergleichstabelle ein (Kassenangebote vergleichen).
- Stellen Sie jedem Anbieter dieselben Fragen schriftlich und lassen Sie Ausnahmen benennen, statt sie selbst zu ergänzen.
- Testen Sie in der Probezeit, was ohne Risiko geht: Verbindung trennen, Neustart, laufenden Bonvorgang unterbrechen (Kasse testen, Fragen an Kassenanbieter).
- Verlangen Sie die Zusagen im Vertrag und stimmen Sie eine gemeinsame Übung ab (Kassenvertrag prüfen).
Halten Sie am Kassenplatz drei Dinge bereit: die Zielwerte, die Kontaktliste und die Handlungsanweisung für den Ausfall. Prüfen Sie die Werte einmal im Jahr nach.