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Kundenbindung in der Gastronomie: Gäste zu Stammgästen machen

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Stammgäste entstehen aus einem wiederholten guten Erlebnis und einem Anlass, wiederzukommen. Unsere redaktionelle Empfehlung, nicht belegt durch eine Studie: mit günstigen Maßnahmen beginnen, also den Gast wiedererkennen, einen Anreiz für den nächsten Besuch geben und Kontakt erst nach geklärter Rechtsgrundlage halten. Aufwändige Programme sollten Sie erst starten, wenn Sie Besuche zählen können. Die Wirkungsangaben unten sind eine Planungsannahme, kein gemessener Wert.

Das Wichtigste

  • Legen Sie vorab fest, ab wie vielen Besuchen in welchem Zeitraum ein Gast für Sie Stammgast ist.
  • Die günstigsten Maßnahmen verlangen Aufmerksamkeit statt Geld: Namen merken, Lieblingsplatz, Nachfrage.
  • Programme mit Rabatt oder Punkten kosten Marge; rechnen Sie sie vor dem Start durch.
  • Wer Besuche einem identifizierten oder identifizierbaren Gast zuordnet und speichert, verarbeitet personenbezogene Daten (Art. 4 Nr. 1 und 2 DSGVO; in der Schweiz Personendaten nach dem Datenschutzgesetz); die Regeln dafür sind je Land eigene Artikel.

Ein Lokal lebt von Gästen, die wiederkommen. Neue Gäste zu gewinnen kostet Werbung und Zeit; ein Gast, der das Lokal schon kennt, braucht vor allem einen Grund, sich für den nächsten Abend wieder dafür zu entscheiden. Hier steht, welche Maßnahmen dafür zur Wahl stehen und was sie kosten.

Wer ist ein Stammgast?

Ein Stammgast ist ein Gast, der Ihr Lokal in einem bestimmten Zeitraum mehrmals besucht. Wo die Grenze liegt, bestimmen Sie. Beispiel mit angenommenen Werten: drei Besuche innerhalb von 90 Tagen. Wichtig ist, dass Sie den Wert festlegen, bevor Sie eine Maßnahme starten. Ohne Grenze sehen Sie später nicht, ob sich etwas verändert hat.

Wiederkehrende Besuche gehen auf zwei Dinge zurück: ein Erlebnis, das den Gast zufrieden macht, und ein Anlass, gerade jetzt wiederzukommen. Die Maßnahmen unten setzen am zweiten Punkt an. Das erste Erlebnis (Service, Küche, Wartezeit) ersetzt keine Maßnahme.

Welche Maßnahmen gibt es?

Die Tabelle ordnet die Maßnahmen nach Aufwand. Aufwand und erwartete Wirkung sind eine Planungsannahme aus der Sicht eines Lokals mit Gästen aus der Umgebung, kein Messwert und keine Studie. Prüfen Sie jede Zeile an Ihren eigenen Zahlen.

Maßnahme Aufwand Erwartete Wirkung (Planungsannahme) Was Sie voraussetzen
Gäste wiedererkennen: Namen, Lieblingsplatz, Lieblingsgetränk gering: Zeit des Teams mittel bis hoch bei kleinen Lokalen Team merkt sich Notizen oder trägt sie in die Reservierung ein
Nachfragen: „Hat es beim letzten Mal geschmeckt?“ gering mittel Schulung des Service, Zeit am Tisch
Reservierungsvorrang oder Stammtisch gering bis mittel mittel Plätze, die Sie freihalten können
Stempelkarte mit Prämie mittel: Druck, Prämienkosten mittel Prämie mit kalkulierter Marge, siehe unten
Gutschein für den nächsten Besuch auf dem Bon mittel mittel Kassendruck oder Aufdruck, Regeln zur Einlösung
Digitales Punkteprogramm oder App hoch: Einrichtung, laufende Kosten hoch, wenn Gäste es nutzen Kassensystem mit Kundenbezug, Datenschutz geklärt
Newsletter oder Nachricht an Gäste mittel mittel geklärte Rechtsgrundlage für den Kontakt, regelmäßig Inhalt
Veranstaltungen: Weinabend, Probierabend mittel bis hoch mittel, gut für Anlass Termin, Planung, Mindestzahl an Gästen
Wiederbestellung bei Lieferung: Kärtchen oder Code für die nächste Bestellung gering bis mittel mittel Lieferverkehr, Einlösung an der Kasse

Unsere Empfehlung: Beginnen Sie mit den beiden ersten Zeilen. Sie brauchen keine Technik und verlangen kaum Geld.

Ein Rechenbeispiel: Stempelkarte

Alle Zahlen sind angenommen. Ein Gast zahlt bei jedem Besuch 18 Euro. Nach zehn gestempelten Besuchen erhält er ein Gericht im Wert von 18 Euro gratis. Der Wareneinsatz dieses Gerichts liegt bei 30 Prozent des Preises.

Größe Wert
Umsatz aus zehn Besuchen 10 × 18 Euro = 180 Euro
Preis des Gratisgerichts 18 Euro
Preisnachlass in Prozent des Umsatzes 18 Euro ÷ 180 Euro = 10 Prozent
Wareneinsatz des Gratisgerichts 30 Prozent von 18 Euro = 5,40 Euro

Der Nachlass beträgt auf dem Papier 10 Prozent, die tatsächlichen Kosten für Ware liegen bei 5,40 Euro je zehn Besuche; dazu kommen Arbeitszeit, Druck und der entgangene Verkaufspreis, wenn der Platz sonst zahlend belegt wäre. Wirtschaftlich sinnvoll ist eine Prämie nur dann, wenn der Gast ohne sie seltener käme. Bei Gästen, die ohnehin jede Woche kommen, ist sie ein Nachlass ohne Gegenleistung.

Mehr zur Gestaltung: Treueprogramm aufbauen: Stempelkarte, Punkte oder Rabatt. Die Entscheidung zwischen Papier und App: Kunden-App oder Stempelkarte.

Wie Sie messen, ob es wirkt

Die Kasse liefert die Daten, wenn sie Besuche einem Gast zuordnen kann. Zählen Sie ohne Gastbezug, bleibt nur ein grober Vergleich: Bons pro Woche vor und nach der Maßnahme, bereinigt um Wetter und Saison. Ordnen Sie Besuche einem identifizierten oder identifizierbaren Gast zu, verarbeiten Sie personenbezogene Daten (Art. 4 Nr. 1 und 2 DSGVO; in der Schweiz gilt der Begriff Personendaten nach dem Datenschutzgesetz). Was dann zu beachten ist, beschreiben Kundenkarte und Treueprogramm: Datenschutz nach DSGVO für Deutschland und Kundendaten im Treueprogramm: Datenschutz in der Schweiz für die Schweiz.

Gutscheine für einen Folgebesuch sind eine eigene Form: Wie Sie sie an der Kasse ausgeben und einlösen, zeigt Gutscheine verkaufen: Papier, digital, Einlösung an der Kasse. Mehr zum Zeitpunkt eines Rabatts: Rabattaktionen planen.

Typische Fehler

  • Programm vor dem Erlebnis: Eine Stempelkarte macht aus langen Wartezeiten keinen Wiederkehrgrund.
  • Rabatt für alle: Er trifft auch die Gäste, die ohnehin kommen, und senkt die Marge.
  • Zu komplizierte Regeln: Prüfkriterium: Lässt sich die Prämie nicht in einem Satz erklären, sind die Regeln vermutlich zu kompliziert.
  • Kein Ausgangswert: Ohne Zählung vor dem Start bleibt jede Wirkung eine Vermutung.
  • Nachricht ohne geklärte Rechtsgrundlage: Wann und wie Sie Gäste anschreiben dürfen, behandelt E-Mail-Newsletter für Kunden.

So gehen Sie vor

  1. Legen Sie fest, wer für Sie Stammgast ist (Besuche pro Zeitraum), und zählen Sie vier Wochen lang den Ausgangswert.
  2. Starten Sie mit zwei Maßnahmen ohne Technik: Gäste wiedererkennen und nachfragen.
  3. Wählen Sie genau eine Maßnahme mit Kosten, etwa die Stempelkarte, und rechnen Sie die Prämie wie im Beispiel durch.
  4. Prüfen Sie nach acht bis zwölf Wochen, ob der Anteil der Gäste mit mehreren Besuchen gestiegen ist.
  5. Behalten Sie, was wirkt, und stellen Sie ein, was nur Kosten verursacht hat.

Häufige Fragen

Wie viele Stammgäste braucht ein Lokal?

Dazu gibt es keine feste Zahl. Sinnvoll ist ein eigener Richtwert: Zählen Sie vier Wochen lang, wie viele Gäste mehr als einmal kommen, und vergleichen Sie diesen Anteil nach einer Maßnahme. Ohne Vorher-Wert lässt sich eine Wirkung nicht beurteilen.

Soll ich Stammgästen Rabatt geben?

Nicht automatisch. Ein Rabatt senkt die Marge bei Gästen, die ohnehin kommen. Unsere redaktionelle Empfehlung, keine belegte Wirkung: Prüfen Sie auch Anlässe ohne Preisnachlass, etwa einen reservierten Tisch oder eine Kostprobe, und vergleichen Sie sie mit Ihrem Ausgangswert. Rechnen Sie jeden Rabatt wie im Beispiel durch.

Quellen

  1. Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), Art. 4 Nr. 1 und 2 (Begriffe personenbezogene Daten und Verarbeitung), amtliche Wiedergabe S. 143 bis 144Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) · abgerufen am
  2. Häufige Fragen zum Datenschutz (Abschnitt Datenschutzgesetz: Begriff Personendaten)Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter (EDÖB) · abgerufen am