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Anforderungskatalog für die Kasse erstellen: Vorlage mit Gewichtung

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Kurz gesagt

Ein Anforderungskatalog für die Kasse ist eine Tabelle, in der jede Anforderung als Muss, Soll oder Kann eingestuft ist. Alle Anbieter bewerten dieselben Zeilen; ein fehlendes Muss scheidet das Angebot aus, Soll und Kann ergeben Punkte. So lassen sich Angebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf gleicher Grundlage vergleichen.

Das Wichtigste

  • Muss-Anforderungen wirken als Ausschluss: Wird eine nicht erfüllt, scheidet das Angebot aus, egal wie hoch die Punkte sind.
  • Soll und Kann werden gewichtet (Beispiel: 3 und 1 Punkt) und je Angebot mit 0, 1 oder 2 bewertet.
  • Jede Zeile braucht ein prüfbares Kriterium und eine Frage an den Anbieter, die schriftlich beantwortet wird.
  • Gesetzliche Pflichten Ihres Landes gehören als Muss in die Liste; ihre Einzelheiten stehen in den verlinkten Rechtsartikeln.

Ohne schriftliche Anforderungen landet der Vergleich schnell bei Oberflächen und Monatspreisen, weil jeder Anbieter etwas anderes anbietet. Ein Anforderungskatalog ersetzt diesen Vergleich durch dieselben Fragen an alle. Er ist Schritt 7 im Ablauf von Kassensystem auswählen und baut auf den Angaben aus den Schritten 1 bis 6 auf.

Was Sie vorab brauchen

  • die Beschreibung Ihres Betriebs: Land, Zahl der Kassenplätze und Standorte, Verkaufsarten (Tresen, Tisch, außer Haus, Lieferung)
  • die Zahl der Bons in einer Stoßstunde und den durchschnittlichen Bon in Euro oder CHF
  • eine Liste Ihrer Sonderfälle: geteilte Rechnungen, Pfand, Gutscheine, Waage, Vorbestellung
  • Ihre Zahlarten und ob das Kartenterminal mit der Kasse verbunden sein soll
  • einen Kostenrahmen, getrennt nach einmalig und laufend
  • die Pflichten Ihres Landes aus Ihren Notizen oder den Artikeln TSE-Pflicht, Registrierkassenpflicht in Österreich beziehungsweise Kassenpflicht in der Schweiz

Schritt für Schritt: Vom Betrieb zur Bewertungstabelle

Schritt 1: Anforderungen sammeln

Schreiben Sie zu jedem Ablauf Ihres Betriebs auf, was die Kasse dabei können muss. Gehen Sie die Verkaufsarten durch, danach Zahlung, Abschluss am Tagesende, Auswertung und Zusammenarbeit mit der Buchhaltung. Formulieren Sie als Ergebnis, nicht als Funktion: nicht „Tischplan“, sondern „Eine Rechnung lässt sich auf drei Gäste aufteilen“. Eine Funktionsübersicht zum Abgleich bietet Welche Funktionen muss eine Kasse haben?

Schritt 2: In Muss, Soll und Kann einteilen

Die Einstufung entscheidet, wie eine Zeile später wirkt.

Stufe Bedeutung Wirkung bei Nichterfüllung
Muss Ohne diese Eigenschaft ist der Betrieb mit der Kasse nicht möglich oder nicht zulässig Angebot scheidet aus
Soll Wichtig im Alltag, aber mit Umweg lösbar Punktabzug, hohes Gewicht
Kann Angenehm, ändert den Ablauf nicht Punktabzug, niedriges Gewicht

Als Muss gehören hinein: die Pflichten Ihres Landes, ohne die Sie die Kasse nicht rechtmäßig betreiben können, sowie Eigenschaften, an denen der Betrieb hängt (etwa Verkauf bei Netzausfall, Kasse ohne Internet). Trennen Sie die Pflichten Ihres Landes in Deutschland, Österreich und der Schweiz; sie sind nicht austauschbar.

Schritt 3: Jede Zeile prüfbar machen

Ergänzen Sie je Zeile zwei Angaben: wie Sie die Eigenschaft prüfen („im Test vorführen lassen“, „Vertragstext lesen“, „Probeexport“) und welche Frage der Anbieter schriftlich beantwortet. Zeilen, die sich nicht prüfen lassen, sind Wünsche, keine Anforderungen. Fragen für die Anbieter bündelt Fragen an Kassenanbieter.

Schritt 4: Die Vorlage ausfüllen

Die Tabelle zeigt das Muster mit Beispielzeilen. Die Inhalte sind Beispiele, keine Empfehlung.

Nr. Anforderung Stufe So prüfen Sie es Frage an den Anbieter
1 Pflichten meines Landes erfüllt Muss Nachweis oder Bestätigung anfordern Welche Pflichten erfüllt das System, mit welchem Nachweis?
2 Verkauf und Bon bei Netzausfall Muss Netzwerkkabel im Test ziehen Was funktioniert ohne Internet, wie lange?
3 Rechnung auf mehrere Gäste teilen Soll Im Test mit einem echten Bon Wie wird eine Rechnung geteilt, wie viele Schritte?
4 Export aller Daten bei Vertragsende Soll Probeexport In welchem Format erhalte ich meine Daten, zu welchen Kosten?
5 Auswertung nach Warengruppe Kann Beispielbericht ansehen Welche Auswertungen sind im Preis enthalten?

Schritt 5: Gewichten und bewerten

Vergeben Sie für Soll und Kann feste Gewichte; als Vorschlag (unsere Annahme, keine Vorgabe) 3 für Soll und 1 für Kann. Bewerten Sie jedes Angebot je Zeile mit 0 (nicht erfüllt), 1 (mit Einschränkung) oder 2 (voll erfüllt). Punkte je Zeile sind Gewicht mal Bewertung. Muss-Zeilen werden nur mit erfüllt oder nicht erfüllt bewertet.

Beispielrechnung (Annahmen): Der Katalog hat 4 Soll-Zeilen und 3 Kann-Zeilen, höchstens also 4 × 3 × 2 + 3 × 1 × 2 = 30 Punkte. Beide Angebote erfüllen alle Muss-Zeilen.

Angebot Bewertung Soll (4 Zeilen) Punkte Soll Bewertung Kann (3 Zeilen) Punkte Kann Summe
A 2, 2, 1, 0 5 × 3 = 15 2, 0, 1 3 × 1 = 3 18
B 2, 1, 1, 1 5 × 3 = 15 2, 2, 2 6 × 1 = 6 21

Angebot B liegt vorn, obwohl es bei den Soll-Zeilen gleich viele Punkte hat wie A. Der Abstand stammt allein aus den Kann-Zeilen. Prüfen Sie deshalb vor dem Entscheid, welche Soll-Zeile A mit 0 bewertet bekam und ob Sie damit leben können.

Schritt 6: Dieselbe Liste an alle senden

Schicken Sie allen Anbietern die gleiche Tabelle ohne Gewichte und verlangen Sie die Antworten schriftlich. Ändern Sie nach einer Rückfrage keine Zeile nur für einen Anbieter; ändern Sie die Liste für alle gleichzeitig. Was ein Angebot kostet, rechnen Sie getrennt über die Laufzeit (Gesamtkosten der Kasse berechnen), damit der Preis die Punkte nicht überdeckt.

So prüfen Sie das Ergebnis

Hat jede Muss-Zeile bei jedem verbleibenden Angebot ein belegtes „erfüllt“, also eine schriftliche Antwort oder eine Vorführung im Test (Kasse testen)? Stimmen die Soll-Zeilen mit den Abläufen überein, die Sie im Alltag am häufigsten brauchen? Ein Katalog, bei dem die Punkte fast gleich ausfallen, braucht schärfere Zeilen, nicht mehr Zeilen.

Wenn etwas nicht klappt

Symptom Mögliche Ursache Lösung
Fast alle Zeilen sind Muss Wünsche könnten als Pflicht eingetragen sein Je Zeile fragen: Geht der Betrieb ohne sie wirklich nicht? Sonst auf Soll senken
Anbieter antworten mit „ja“ ohne Angabe Frage war nicht prüfbar Frage so umformulieren, dass eine Vorführung oder ein Dokument nötig ist
Punkte liegen fast gleich Viele Kann-Zeilen, kaum Unterschied bei Soll Kann-Zeilen streichen, Soll-Zeilen schärfen
Angebote nicht vergleichbar Anbieter bekamen unterschiedliche Fassungen Eine Fassung, ein Versanddatum, eine Antwortfrist
Der Preis entscheidet allein Kosten und Punkte wurden womöglich vermischt Erst Muss-Filter, dann Punkte, erst danach Gesamtkosten

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie Rat, wenn Sie nicht sicher sind, ob eine Pflicht Ihres Landes für Ihren Betrieb gilt. Die Steuerberatung klärt das für Ihren Fall; die Anbieter beantworten technische Fragen. Anbieterprofile finden Sie auf kassenvergleicher.de.

Häufige Fragen

Wie viele Anforderungen sollte ein Katalog haben?

Dafür gibt es keine feste Zahl. Als Orientierung (unsere Annahme): 15 bis 30 Zeilen reichen für einen Betrieb mit einer Kasse. Wird die Liste deutlich länger, prüfen Sie Zeile für Zeile, ob Wünsche als Muss eingetragen sind, die in Wahrheit Soll oder Kann sind.

Darf ich Anbietern die Gewichtung zeigen?

Die Anforderungen ja, die Gewichte nicht zwingend. Zeigen Sie die Zeilen mit Muss, Soll und Kann; die Punktewerte behalten Sie für die interne Auswertung. Das ist eine redaktionelle Empfehlung: Sie legen die Gewichte vor dem Versand fest und halten sie getrennt von den Antworten, so dass die Auswertung bei Ihnen liegt. Wie Anbieter darauf reagieren, lässt sich nicht vorhersagen.

Was tun, wenn kein Angebot alle Muss-Zeilen erfüllt?

Prüfen Sie zuerst, ob eine Muss-Zeile in Wahrheit Soll ist. Ist sie es nicht, fragen Sie schriftlich nach einer Lösung oder Zusage mit Termin. Ohne belastbare Zusage bleibt das Angebot ausgeschlossen.