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Kennzahlen Gastronomie: Welche Zahlen Sie täglich kennen sollten

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Kurz gesagt

Neun Zahlen reichen für die tägliche Steuerung eines Lokals: Wareneinsatzquote (Küche, Keller, gesamt), Personalquote, Umsatz je Mitarbeiter, Umsatz je Sitzplatz, Sitzplatzumschlag, Umsatz je Gast und das Betriebsergebnis. Sie brauchen dafür Kassenerlöse, Wareneinsatz, Personalkosten und für das Betriebsergebnis die sonstigen Aufwendungen, wie das Beispiel zeigt. Zielwerte setzen Sie aus Ihren eigenen Kosten, nicht aus fremden Durchschnitten.

Das Wichtigste

  • Wareneinsatzquote = Wareneinsatz ÷ Erlöse der jeweiligen Warengruppe × 100; getrennt für Speisen (Küche) und Getränke (Keller), gesamt als Summe durch Gesamterlöse.
  • Personalquote = Personalkosten ÷ Gesamterlöse × 100; die Personalkosten umfassen Lohn und Lohnnebenkosten.
  • Umsatz je Mitarbeiter = Gesamterlöse ÷ Mitarbeiter; Umsatz je Sitzplatz = Gesamterlöse ÷ Sitzplätze; Sitzplatzumschlag = verkaufte Cover ÷ Sitzplätze.
  • Betriebsergebnis (GOP) = Gesamterlöse minus Gesamtaufwendungen; in Prozent = GOP ÷ Gesamterlöse × 100.
  • Rechnen Sie Erlöse und Wareneinsatz auf derselben Basis, zum Beispiel beide ohne Umsatzsteuer.

Welche Zahlen es sind und was sie aussagen

Eine Kennzahl ist eine Zahl, die einen Teil des Betriebs mit einer Bezugsgröße vergleicht. Für ein Lokal genügen wenige: Sie zeigen, ob die Ware, das Personal, die Plätze und die Gäste zum Umsatz passen. Die Formeln unten folgen dem Fitness-Check der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) und der Prodinger Beratungsgruppe, ergänzt um zwei Zahlen aus der Kassenpraxis.

Kennzahl Formel Frage, die sie beantwortet
Wareneinsatzquote Küche Wareneinsatz Speisen ÷ Speisenerlöse × 100 Wie viel vom Speisenumsatz geht für Zutaten drauf?
Wareneinsatzquote Keller Wareneinsatz Getränke ÷ Getränkeerlöse × 100 Dasselbe für Getränke
Wareneinsatzquote gesamt Wareneinsatz gesamt ÷ Gesamterlöse × 100 Wie viel vom Umsatz ist Ware?
Personalquote Personalkosten ÷ Gesamterlöse × 100 Wie viel vom Umsatz ist Personal?
Umsatz je Mitarbeiter Gesamterlöse ÷ Anzahl Mitarbeiter Wie produktiv ist das Team?
Umsatz je Sitzplatz Gesamterlöse ÷ Anzahl Sitzplätze Wie viel bringt ein Platz?
Sitzplatzumschlag verkaufte Cover ÷ Anzahl Sitzplätze Wie oft wurde ein Platz besetzt?
Umsatz je Gast (Cover) Gesamterlöse ÷ verkaufte Cover Was gibt ein Gast aus?
Betriebsergebnis (GOP) Gesamterlöse minus Gesamtaufwendungen Was bleibt von den Erlösen nach allen Aufwendungen?

In diesem Artikel zählt ein „Cover“ einen bedienten Gast. Legen Sie die Zählweise einmal fest und halten Sie sie ein.

Die Rechnung aus einer Beispiel-Tageskasse

Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen. Ein Lokal mit 60 Sitzplätzen innen hat am Samstag folgende Werte; alle Erlöse und Kosten sind ohne Umsatzsteuer gerechnet.

Angabe Wert Quelle im Betrieb
Speisenerlöse 2.340,00 Euro Kasse, Warengruppe Speisen
Getränkeerlöse 1.160,00 Euro Kasse, Warengruppe Getränke
Gesamterlöse 3.500,00 Euro Summe
Wareneinsatz Speisen 655,20 Euro Verbrauch aus Rezepten oder Bestandsrechnung
Wareneinsatz Getränke 232,00 Euro Verbrauch aus Bestandsrechnung
Personalkosten des Tages (Lohn und Nebenkosten) 1.085,00 Euro Dienstplan, Lohnsätze
Mitarbeiter im Dienst 7 Dienstplan
Verkaufte Cover 118 Kasse, Gästezahl
Tagesanteil sonstiger Aufwendungen (Miete, Energie und weitere, auf den Tag umgelegt) 1.000,00 Euro Buchhaltung, durch Öffnungstage geteilt

Daraus ergeben sich die Kennzahlen:

Kennzahl Rechnung Ergebnis
Wareneinsatzquote Küche 655,20 ÷ 2.340,00 × 100 28,0 %
Wareneinsatzquote Keller 232,00 ÷ 1.160,00 × 100 20,0 %
Wareneinsatz gesamt 655,20 + 232,00 887,20 Euro
Wareneinsatzquote gesamt 887,20 ÷ 3.500,00 × 100 25,3 %
Personalquote 1.085,00 ÷ 3.500,00 × 100 31,0 %
Umsatz je Mitarbeiter 3.500,00 ÷ 7 500,00 Euro
Personalkosten je Mitarbeiter 1.085,00 ÷ 7 155,00 Euro
Umsatz je Sitzplatz 3.500,00 ÷ 60 58,33 Euro
Sitzplatzumschlag 118 ÷ 60 1,97
Umsatz je Gast 3.500,00 ÷ 118 29,66 Euro
Wareneinsatz plus Personalkosten, redaktionell (887,20 + 1.085,00) ÷ 3.500,00 × 100 56,3 %
Gesamtaufwendungen 887,20 + 1.085,00 + 1.000,00 2.972,20 Euro
Betriebsergebnis (GOP) 3.500,00 − 2.972,20 527,80 Euro
GOP in Prozent 527,80 ÷ 3.500,00 × 100 15,1 %

Die Gesamtquote des Wareneinsatzes ist nicht der Mittelwert von 28,0 und 20,0 Prozent (das wären 24,0 Prozent), sondern 25,3 Prozent, weil die Speisen mehr Erlös tragen als die Getränke. Rechnen Sie darum immer mit Summen, nicht mit gemittelten Quoten.

Was die Kasse dafür liefern muss

Die Erlöse je Warengruppe, die Zahl der Gäste und die Storno- und Rabattwerte kommen aus der Kasse, sofern Ihr System sie erfasst. Prüfen Sie, ob der Tagesabschluss diese Werte getrennt ausweist; Anleitung im Artikel zum Tagesabschluss und zum Kassenbericht. Mehrere Standorte lesen Sie zentral in einer Auswertung; siehe mehrere Standorte zentral verwalten.

Verkaufsdaten allein reichen nicht: Der Wareneinsatz braucht Bestands- oder Verbrauchsdaten (Inventur Schritt für Schritt, Wareneinsatz berechnen), die Personalkosten die Lohnabrechnung.

Lücken früh erkennen: Auffälligkeiten in den Zahlen

Eine Kennzahl zeigt eine Abweichung, nicht deren Ursache. Das sind Prüfimpulse, keine Beweise:

Auffälligkeit Was Sie prüfen
Wareneinsatzquote Keller steigt bei gleichem Umsatz Bestandsführung, Anbruchmengen, Einschenkmengen, Freigetränke, Lieferungen ohne Buchung
Sitzplatzumschlag steigt, Umsatz je Gast sinkt Aktionen, Preise, kleinere Portionen oder Rabatte
Stornoquote auffällig hoch (Stornowert ÷ Gesamterlöse × 100, redaktionell) Storno-Protokoll nach Benutzer und Uhrzeit, siehe Storno-Protokoll auswerten
Personalquote steigt bei gleichem Umsatz Dienstplan gegen Gästezahl je Stunde, siehe Dienstplan erstellen
Wareneinsatz höher als Kalkulation Rezepte, Ausbeute, Schwund, Personalessen

Beispielrechnung zur Stornoquote mit erfundenen Zahlen: Stornos des Tages im Wert von 70,00 Euro bei 3.500,00 Euro Erlösen ergeben 2,0 Prozent. Ob das viel ist, sagt erst der Vergleich mit Ihren eigenen Vortagen.

Bäckerei und Metzgerei: eigene Zahlen

Für Betriebe mit Theke kommt eine Zahl hinzu, die Ware nach Verkaufsende bewertet. Redaktionelle Kennzahl: Retourenquote = nicht verkaufte Menge ÷ produzierte oder gelieferte Menge × 100. Beispiel mit erfundenen Zahlen: 600 Brötchen gebacken, 36 am Abend übrig, ergibt 6,0 Prozent. Weitere Auswertungen finden Sie in Retouren, Schwund und Abschrift in der Bäckerei.

Hebel und die Kennzahl, die sie bewegt

Die Tabelle nennt mögliche Maßnahmen und die Kennzahl, an der Sie die Wirkung ablesen. Ob und wie stark sie wirkt, zeigt erst Ihr Vorher-Nachher-Vergleich.

Maßnahme Kennzahl zum Ablesen
Karte nach Deckungsbeitrag ordnen, siehe Speisekarte gestalten Wareneinsatzquote Küche, Umsatz je Gast
Einkaufspreise und Portionsgrößen prüfen Wareneinsatzquote gesamt
Dienstplan an Gästezahl je Stunde anpassen Personalquote, Umsatz je Mitarbeiter
Reservierungen und Aktionen in schwachen Zeiten Sitzplatzumschlag
Preise anpassen, siehe Preise erhöhen Umsatz je Gast, Wareneinsatzquote

So gehen Sie vor

  1. Legen Sie fest, was ein Cover, ein Mitarbeiter im Dienst und ein Sitzplatz zählt, und halten Sie es schriftlich fest.
  2. Richten Sie die Kasse so ein, dass der Tagesabschluss Erlöse je Warengruppe und Gästezahl ausweist.
  3. Rechnen Sie die Tabelle oben einen Monat lang mit Ihren Zahlen nach.
  4. Vergleichen Sie jede Zahl mit Ihren Vorperioden, bevor Sie sie mit fremden Werten vergleichen.
  5. Prüfen Sie bei einer Abweichung zuerst die Daten (Einheit, Basis, Zeitraum), dann den Betrieb.

Häufige Fragen

Welche Zielwerte gelten für die Wareneinsatzquote?

Einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht. Eine österreichische Auswertung (Datenbasis 2019 und 2020) weist Spannen je Betriebsart aus; für Deutschland und die Schweiz haben wir keine vergleichbare öffentliche Auswertung geöffnet. Leiten Sie Ihre Zielquote aus Ihren übrigen Kostenquoten und dem gewünschten Ergebnis ab, wie im Artikel zum Wareneinsatz beschrieben.

Wie oft sollte ich die Zahlen rechnen?

Erlöse, Gäste und Sitzplatzkennzahlen lesen Sie am Tagesabschluss aus der Kasse. Wareneinsatz und Personalquote brauchen Bestände und Lohnabrechnung; sie rechnen Sie so oft, wie Sie Bestände zählen und Personalkosten kennen, zum Beispiel monatlich. Tageswerte der Personalkosten sind Näherungen.

Warum weicht meine Wareneinsatzquote von der Kalkulation ab?

Die Kalkulation geht von Rezeptmengen und Kartenpreisen aus, die gebuchte Quote von Einkauf, Bestandsveränderung und verkauften Mengen. Abweichungen entstehen etwa durch Schwund, Verderb, Personalessen, Aktionspreise oder nicht gebuchte Lieferungen. Die Differenz sagt, dass es eine Lücke gibt, nicht welche Ursache sie hat.

Quellen

  1. Fitness-Check Gastro-Kennzahlen für die Gastronomie (Formeln und Benchmarks; Datenbasis 2019 und 2020)Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) und Prodinger Beratungsgruppe, veröffentlicht von der Wirtschaftskammer Österreich · abgerufen am