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Warenwirtschaft oder ERP: Was ist der Unterschied?

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Kurz gesagt

Eine Warenwirtschaft führt Einkauf, Lager und Verkauf; ein ERP-System verknüpft darüber hinaus Buchhaltung und weitere Bereiche in einem Datenbestand. Als Ausgangsannahme genügt eine Warenwirtschaft, solange Rechnungen, Buchhaltungsübergabe und Auswertungen ohne Doppelerfassung laufen. Mehrere Signale zugleich sind ein Anlass, ein ERP zu prüfen; den Ausschlag gibt der Funktionsumfang des einzelnen Produkts.

Das Wichtigste

  • Warenwirtschaft und ERP sind Funktionsumfänge, keine festen Produktklassen; beide Begriffe werden von Anbietern unterschiedlich verwendet.
  • Nach der Marktstudie von Digital in NRW (2021) fehlen Warenwirtschaften in der Regel Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung und Produktionsplanung.
  • Eine Warenwirtschaft kann eigenständig laufen oder Teil eines ERP-Systems sein.
  • Doppelarbeit zwischen Warenwirtschaft, Buchhaltung und Tabellen ist das Signal, das diese Redaktion zuerst prüft (redaktionelle Einschätzung).
  • Eine Warenwirtschaft mit Schnittstelle zur Buchhaltung ist eine kleinere Zwischenstufe, die vor einem ERP zu prüfen ist (redaktionelle Empfehlung).

Den Anstoß kann ein Steuerberater, ein Anbieter oder ein Wachstumsschritt wie ein zweites Lager geben: Dann steht die Frage im Raum, ob ein ERP nötig ist, obwohl die Warenwirtschaft läuft. Dieser Artikel hilft zu entscheiden, ob die bestehende Warenwirtschaft ausreicht. Was ein ERP-System ist, steht unter Was ist ein ERP-System?; hier geht es nur um die Grenze zur Warenwirtschaft.

Wo die Grenze verläuft

Eine Warenwirtschaft führt Mengen und Werte der Handelsware: Wareneingang, Lagerbestand, Bestellungen, Verkauf. Nach dem Leitfaden des Kompetenzzentrums Handel (ibi research, Oktober 2021) gehört dazu der Bestandsüberblick über mehrere Verkaufskanäle, und eine Warenwirtschaft kann eigenständig laufen oder Teil eines größeren ERP-Systems sein. Der Leitfaden unterscheidet außerdem die zentrale Warenwirtschaft von der Filialwarenwirtschaft, die nur Aufgaben der einzelnen Filiale unterstützt.

Ein ERP verknüpft zusätzlich weitere Bereiche über gemeinsame Stammdaten. Nach der Marktstudie von Digital in NRW (2021) fehlen Warenwirtschaften in der Regel die Finanzbuchhaltung, die Anlagenbuchhaltung und die Produktionsplanung. Die Studie nennt auch, dass Anbieter Finanz- und Lohnprogramme von Dritten einbinden, weil sich gesetzliche Vorgaben ändern. Ob ein Programm als „Warenwirtschaft“ oder „ERP“ verkauft wird, sagt daher wenig; die Modulliste entscheidet.

An welchen Signalen die Warenwirtschaft nicht mehr reicht

Die Tabelle ist eine redaktionelle Orientierung, keine Norm. Ausgangsannahme: ein Handelsbetrieb mit einer Warenwirtschaft, die Einkauf, Lager und Verkauf abdeckt, und einer Buchhaltung außerhalb, etwa beim Steuerberater. Ein einzelnes Signal ist selten ein Grund zum Wechsel; die Spalte „Zwischenschritt“ nennt die kleinere Lösung, die Sie zuerst prüfen sollten.

Signal im Betrieb Warenwirtschaft genügt, wenn … ERP prüfen, wenn … Zwischenschritt
Rechnungen und Buchhaltung die Übergabe an die Buchhaltung per Export wenig Zeit bindet Belege mehrfach erfasst werden oder Zahlen monatlich abgeglichen werden müssen Schnittstelle zum Buchhaltungsprogramm
Kundenvorgänge überwiegend Laufkundschaft bedient wird Angebote, Aufträge und Kundenhistorie in einem Vorgang zusammenlaufen sollen Angebotsfunktion der Warenwirtschaft
Lager und Standorte ein Lager oder Filialen mit eigener Auswertung genügen mehrere Lager oder Gesellschaften gemeinsam ausgewertet werden müssen (Filialen und Mandanten) zentrale statt Filialwarenwirtschaft
Herstellung die Ware unverändert verkauft wird selbst gefertigt oder montiert wird und Stücklisten oder Materialbedarf geplant werden müssen Handelsstücklisten, soweit unterstützt
Auswertung Verkauf, Marge und Bestand die wichtigen Zahlen sind Verkauf, Kosten, Personal und offene Posten gemeinsam gesehen werden sollen Auswertung aus Export und Tabelle
Finanzen und Personal Buchhaltung und Lohn bei Dritten sauber laufen diese Daten in denselben Vorgang gehören eingebundenes Buchhaltungsprogramm

Lesehilfe: Zwei bis drei Zeilen in der mittleren Spalte „ERP prüfen, wenn …“ gleichzeitig sind ein stärkeres Zeichen als eine einzelne. Das ist keine gemessene Schwelle, sondern eine Arbeitsregel dieser Redaktion.

So sieht das im Alltag aus

Beispielrechnung (erfundene Zahlen): Ein Fachhandel erstellt 400 Rechnungen im Monat in der Warenwirtschaft und erfasst jede ein zweites Mal für die Buchhaltung, jeweils rund 3 Minuten. Dazu kommen angenommene 30 Euro Stundenkosten.

Posten Rechnung
Zeit je Monat 400 × 3 Minuten = 1.200 Minuten = 20 Stunden
Kosten je Monat 20 Stunden × 30 Euro = 600 Euro
Kosten je Jahr 600 Euro × 12 = 7.200 Euro

Die 7.200 Euro sind die Obergrenze dessen, was eine Schnittstelle oder ein Finanzmodul an dieser einen Stelle einsparen kann. Ob dafür ein ganzes ERP nötig ist, folgt daraus nicht: Löst eine Schnittstelle zur Buchhaltung die Doppelerfassung, kann der Zwischenschritt aus der Tabelle genügen. Vergleichen Sie den Betrag mit den Posten unter ERP-Kosten und mit dem Angebot für die Schnittstelle.

Typische Fehler bei der Entscheidung

  • Nach dem Namen vergleichen. „ERP“ im Produktnamen sagt nichts über die enthaltenen Module; vergleichen Sie die Modulliste (ERP-Module im Überblick).
  • Den Zwischenschritt überspringen. Eine Warenwirtschaft mit Schnittstelle zur Buchhaltung löst manches Problem, bevor ein ERP nötig wird.
  • Die Altdaten vergessen. Der Leitfaden des Kompetenzzentrums Handel warnt, dass die Übernahme der Daten aus dem Altsystem Kosten und Abhängigkeiten schafft.
  • Ein Signal überbewerten. Ein zweiter Onlineshop ist für sich genommen noch kein Grund zum Wechsel.

Nächste Schritte

  1. Zählen Sie vier Wochen lang, wie oft und wie lange Sie Daten ein zweites Mal erfassen.
  2. Ordnen Sie jede Doppelarbeit einer Zeile der Tabelle zu.
  3. Prüfen Sie bei jeder Zeile zuerst den Zwischenschritt, dann das ERP.
  4. Halten Sie Ihre Anforderungen schriftlich fest und gehen Sie zu ERP auswählen über, wenn der Zwischenschritt nicht genügt. Grundlagen zur Warenwirtschaft im Laden: Warenwirtschaft im Einzelhandel.

Häufige Fragen

Ist ein ERP-System einfach eine größere Warenwirtschaft?

Nicht ganz. Ein ERP erweitert den Umfang um Bereiche wie Finanzbuchhaltung oder Produktion. Manche Warenwirtschaften sind aber selbst Teil eines ERP, und manche bringen bereits Rechnungsstellung mit. Vergleichen Sie deshalb die Modulliste des einzelnen Produkts, nicht den Namen.

Muss ich für einen Onlineshop ein ERP einsetzen?

Nein. Mehrere Verkaufskanäle lassen sich nach dem Leitfaden des Kompetenzzentrums Handel an eine Warenwirtschaft anbinden. Ein ERP wird erst interessant, wenn weitere Signale aus der Tabelle dazukommen, etwa doppelte Rechnungserfassung oder eigene Herstellung.

Was kostet der Wechsel von der Warenwirtschaft auf ein ERP?

Dazu nennen wir keine Zahl, weil sie von Umfang, Betriebsart und Migration abhängt. Kostenbausteine und Prüffragen stehen unter ERP-Kosten; für den Wechsel selbst gilt, dass Altdaten und Anbieterabhängigkeit im Angebot ausdrücklich zu klären sind.

Quellen

  1. ERP-Systeme für Kleinunternehmen. Marktstudie ERP-Systeme 2021 (Kapitel 2.2, 2.3, 2.5.3 und 3.4.7)Digital in NRW, Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Dortmund (Fraunhofer IML) · abgerufen am
  2. Leitfaden Warenwirtschaftssysteme: Vom Anforderungsmanagement zur erfolgreichen Einführung (Stand Oktober 2021, Kapitel 2 und 3)Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel (ibi research an der Universität Regensburg) · abgerufen am