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Was ist ein ERP-System? Aufgaben und Abgrenzung

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Kurz gesagt

Ein ERP-System ist eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware, die Einkauf, Lager, Verkauf, Rechnungen und Buchhaltung in einem gemeinsamen Datenbestand verknüpft. Werden dieselben Stammdaten an mehreren Stellen gepflegt, ist das ein Anlass, ein ERP zu prüfen; ob es sich lohnt, hängt vom Aufwand ab, und manchmal genügen Kasse und Warenwirtschaft. Die Kasse bleibt für den Verkauf zuständig, eine Tabelle genügt für überschaubare Einzelaufgaben.

Das Wichtigste

  • ERP steht für Enterprise Resource Planning, auf Deutsch Planung der Unternehmensressourcen.
  • Der Kern ist ein gemeinsamer Datenbestand für Stammdaten, Aufträge, Lager und Rechnungen.
  • Eine Warenwirtschaft deckt meist Einkauf, Verkauf und Lager ab, aber nicht die Finanzbuchhaltung.
  • Die Kasse erfasst den Verkauf an der Theke; das ERP verwaltet, was davor und danach geschieht.
  • Wer nur einen Standort, wenige Artikel und keinen Online-Verkauf hat, kommt oft mit Kasse und Tabelle aus.

Wer einen Betrieb mit Kasse führt, stößt irgendwann auf dasselbe Problem: Der Preis eines Artikels ändert sich, und er muss an der Kasse, im Onlineshop, in der Bestellliste und in der Angebotsvorlage einzeln angepasst werden. Hier setzt ein ERP-System an.

Was ist ein ERP-System?

Ein ERP-System ist eine Software, in der die Abläufe eines Betriebs, von Einkauf und Lager über Verkauf und Rechnung bis zur Buchführung, auf denselben Stammdaten beruhen und ineinandergreifen, statt in getrennten Programmen zu laufen. Die Studie von Digital in NRW (Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Dortmund, 2021) nennt als Ziel, die Ressourcen eines Betriebs zu verwalten, zu steuern, zu überwachen und zu archivieren: Geld, Mitarbeitende, Lagerbestände, Maschinen. Die IHK Pfalz beschreibt es als Software, die die Geschäftsprozesse abbildet und jede betriebliche Einheit bei der täglichen Arbeit unterstützt.

Der Kern ist der gemeinsame Datenbestand. Ein Artikel, ein Kunde oder ein Lieferant wird einmal angelegt, und Einkauf, Lager, Verkauf und Rechnungswesen greifen auf denselben Eintrag zu. Das unterscheidet ein ERP von einer Sammlung einzelner Programme.

Aus welchen Bausteinen besteht es?

Die Studie unterscheidet auf oberster Ebene fünf Module: Warenwirtschaft (Einkauf, Verkauf, Lager, gegebenenfalls Onlineshop-Anbindung), Kundenbeziehungsmanagement, Produktion, Finanz- und Anlagenbuchhaltung sowie Lohnbuchhaltung. Welche davon ein Betrieb braucht, hängt von seiner Branche ab. Ein Handelsbetrieb benötigt selten ein Produktionsmodul. Die einzelnen Module behandelt ERP-Module im Überblick.

Wie grenzt es sich ab?

Eine Warenwirtschaft deckt nach der Studie in der Regel Einkauf, Verkauf und Lager ab, nicht aber Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung und Produktionsplanung; deshalb gilt sie nicht als integriertes System. Mehr dazu unter Warenwirtschaft oder ERP. Die Kasse erfasst den Verkauf und die Zahlung, ein ERP verwaltet davon ausgehend Bestand, Nachbestellung und Rechnung. Wie beide verbunden werden, steht unter Kasse mit ERP verbinden.

Welche Aufgabe gehört wohin?

Die Tabelle ordnet übliche Alltagsaufgaben ein. Sie ist eine redaktionelle Einschätzung für kleine Betriebe, keine Norm; die Grenze verschiebt sich mit Sortiment und Filialzahl. Ausgangsannahme für die Spalte „Kasse“ ist eine einfache Einzelplatzkasse ohne Warenwirtschafts- oder Shopmodule; Kassensysteme mit solchen Modulen können mehr, der Funktionsumfang entscheidet.

Aufgabe Kasse Tabelle ERP Wann der Wechsel ansteht
Verkauf bonieren, Zahlung abwickeln ja nein über die Kasse angebunden nie: Das ist die Aufgabe der Kasse
Tagesabschluss erstellen ja nein übernimmt die Summen nie
Artikelstammdaten pflegen nur für diese Kasse (einfache Kasse) bei wenigen Artikeln ja, einmal für alle Kanäle sobald dieselben Artikel an zwei Stellen gepflegt werden
Bestand führen ein Lagerort, einfach ein Lager, wenig Bewegung ja, mehrere Lagerorte sobald Bestände nicht mehr zusammenpassen
Bestellvorschläge an Lieferanten begrenzt bei einem Lieferanten ja, über Mindestbestände sobald Nachbestellungen viel Zeit binden
Angebot, Auftrag, Rechnung an Geschäftskunden je nach Funktionsumfang, bei einfacher Kasse nein per Vorlage ja, als durchgehender Vorgang sobald Rechnungen mehrfach abgetippt werden
Offene Posten und Mahnungen nein in kleinem Umfang ja, im Finanzmodul oder angebunden sobald offene Rechnungen nicht mehr überschaubar sind
Onlineshop abgleichen nur mit Shopmodul nein ja, über Schnittstelle sobald Bestände zwischen Shop und Laden abweichen
Einmalige Kalkulation oder Auswertung nein ja nur bei Daueraufgabe nie, wenn die Aufgabe einmalig bleibt
Kennzahlen aus allen Bereichen nur Verkauf von Hand ja, aus dem gemeinsamen Bestand sobald die Zahlen aus drei Quellen zusammengetragen werden

So sieht das im Alltag aus

Beispiel (erfunden): Ein Fachgeschäft verkauft im Laden und im Onlineshop. Es führt Artikelpreise in der Kasse, im Shop und in einer Preisliste für Geschäftskunden. Eine Preisänderung verlangt drei Eintragungen. Mit einem ERP steht der Preis einmal im Stammdatensatz, Kasse und Shop übernehmen ihn.

Schritt Ohne ERP Mit ERP
Preis ändern in drei Systemen im Stammdatensatz
Fehlerquelle jede Eintragung einzeln eine Eintragung
Prüfen, ob alle Kanäle gleich sind Stichprobe Abgleich im System

Wann lohnt sich der Blick auf ein ERP?

Die Studie nennt typische Anlässe für die Einführung: Datensilos mit Auftrags- und Stammdaten, mehrere Systeme mit zusammenhängenden Daten, Datenvolumen, das sich in Tabellen kaum noch beherrschen lässt, fehlende Transparenz über Abläufe und viele manuelle oder papierbasierte Schritte. Treffen mehrere davon zu, lohnt sich die Prüfung. Die Studie bezeichnet die Entscheidung ausdrücklich als nicht eindeutig; Aufwand und mögliche Abhilfe durch Kasse oder Warenwirtschaft gehören in die Abwägung. Was ein Projekt kostet, steht unter ERP-Kosten.

Typische Fehler bei der Einschätzung

  • Das ERP soll die Kasse ersetzen. Die Kasse bleibt das Werkzeug für Verkauf und Zahlung, das ERP wird angebunden.
  • Alles auf einmal einführen. Starten Sie mit den Modulen, in denen die Doppelarbeit am größten ist, etwa Artikel und Bestand.
  • Mit einem Programm beginnen, bevor die Aufgaben feststehen. Notieren Sie zuerst Ihre Abläufe; dafür dient ERP auswählen in sieben Schritten.

Nächste Schritte

  1. Schreiben Sie eine Woche lang auf, welche Daten Sie mehrfach eintragen.
  2. Ordnen Sie jede Aufgabe mit der Tabelle oben ein.
  3. Prüfen Sie, ob Ihre Kasse oder Warenwirtschaft die Lücken schließt.
  4. Wenn nicht, gehen Sie zu ERP auswählen über.

Häufige Fragen

Brauche ich als Einzelhändler mit einer Filiale ein ERP-System?

Nicht zwingend. Mit einem Standort, überschaubarem Sortiment und ohne Online-Verkauf reichen oft Kasse, Warenwirtschaft und eine Tabelle. Ein ERP kommt in Frage, wenn Daten an mehreren Stellen doppelt gepflegt werden und Zahlen nicht mehr zusammenpassen; prüfen Sie vorher, ob Kasse oder Warenwirtschaft das Problem mit weniger Aufwand lösen.

Ist ein ERP-System dasselbe wie eine Buchhaltungssoftware?

Nein. Die Finanzbuchhaltung ist ein Modul, das ein ERP enthalten kann. Nach der Marktstudie von Digital in NRW binden Anbieter dafür auch externe Buchhaltungsprogramme ein, weil sich gesetzliche Vorgaben ändern. Die Oberfläche kann einheitlich bleiben.

Kann eine Kasse die Aufgaben eines ERP übernehmen?

Nur teilweise. Viele Kassensysteme führen Artikel und Bestände, aber Bestellwesen über mehrere Lieferanten, Angebote an Geschäftskunden oder die Verknüpfung mit einem Onlineshop sind Aufgaben, für die ein eigener Funktionsumfang nötig ist.

Quellen

  1. ERP-Systeme für Kleinunternehmen. Marktstudie ERP-Systeme 2021 (Kapitel 2.1 bis 2.3, 3)Digital in NRW, Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Dortmund (Fraunhofer IML) · abgerufen am
  2. Enterprise Resource Planning System (ERP)IHK Pfalz · abgerufen am