Bargeld oder Karte: Was kostet welche Zahlung den Händler?
Kurz gesagt
Im deutschen Einzelhandel sind Bargeld und Girocard die günstigsten Verfahren, und welche vorn liegt, hängt an der Bezugsgröße: Bargeld kostet 43 Cent je Zahlung, 2,3 Prozent des Umsatzes; die Girocard 60 Cent, 0,8 Prozent (Bundesbank-Studie, Erhebungen 2022 und 2023). Rechnen Sie beide auf 100 Euro Umsatz um, sonst verzerrt die Bonhöhe das Ergebnis.
Das Wichtigste
- Deutscher Einzelhandel, Bundesbank-Studie (Stand Dezember 2025): Bargeld 0,43 Euro je Zahlung, 2,3 Prozent des Umsatzes.
- Deutscher Einzelhandel: Girocard 0,60 Euro, 0,8 Prozent; Visa/Mastercard Debit 0,69 Euro, 2,1 Prozent; Kreditkarten 1,00 Euro, 2,4 Prozent.
- Kosten je 100 Euro Umsatz = Kosten je Zahlung geteilt durch den durchschnittlichen Umsatz je Zahlung, mal 100.
- Deutscher Einzelhandel (Bundesbank-Studie, Tabelle 1): Größter Kostenblock je Zahlung ist bei Bargeld sowie bei Girocard und Visa/Mastercard Debit der Zeitaufwand, bei Kreditkarten die Transaktionsgebühren.
- EU-Vorgabe: Interchange bei Verbraucher-Debitkarten höchstens 0,2 Prozent, bei Verbraucher-Kreditkarten 0,3 Prozent (VO (EU) 2015/751); gilt nicht in der Schweiz.
- Nach der Bundesbank-Studie tragen kleinere Betriebe höhere Kosten je Zahlung und je Euro Umsatz als größere.
Jedes Zahlungsmittel verursacht Kosten, nur an anderen Stellen: Bargeld bindet Zeit an der Kasse und im Backoffice, Karten verursachen Gebühren und Gerätekosten. Wer beide Verfahren vergleichen will, muss sie auf denselben Nenner bringen. Der Nenner, der trägt, ist der Umsatz: Euro je 100 Euro Umsatz.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Die Bundesbank ordnet in ihrer Studie „Kosten von Zahlungsmitteln im Einzelhandel” vier Blöcke zu: Geräte, Gebühren, Verlust und Versicherung sowie Zeitaufwand. Allgemeine Gerätekosten wie das Kassensystem verteilt sie auf alle Verfahren, spezifische Gerätekosten nur auf das jeweilige Verfahren, etwa das Kartenterminal oder den Tresor. Zeitaufwand rechnet sie mit den tatsächlichen Stundenlöhnen der Unternehmen in Geld um.
Die Struktur unterscheidet sich deutlich. Bei Bargeld macht der Zeitaufwand mit 0,26 Euro den größten Teil der 0,43 Euro je Zahlung aus; Gebühren für Ver- und Entsorgung schlagen mit 0,08 Euro zu. Bei den Debitkarten liegen beide Blöcke näher zusammen, der Zeitaufwand liegt aber vorn: 0,30 Euro Zeitaufwand gegen 0,18 Euro Gebühren bei der Girocard, 0,31 Euro gegen 0,28 Euro bei Visa- und Mastercard-Debitkarten. Erst bei Kreditkarten überwiegen die Transaktionsgebühren mit 0,48 Euro gegenüber 0,35 Euro Zeitaufwand. Wer nur die Gebühren vergleicht, vergleicht deshalb einen Teil mit dem Ganzen.
Die Studie beruht auf Zeitmessungen von rund 13.000 Transaktionen an 15 Verkaufsstellen (8. bis 13. August 2022) und einer Befragung von 268 Handelsunternehmen (14. August bis 15. Dezember 2023). Die Werte sind Durchschnitte über diese Unternehmen; die Stichprobe wurde nach Branche und Betriebsgröße an die Grundgesamtheit angepasst.
Die Kosten je Zahlungsmittel im Überblick
Durchschnittswerte für den deutschen Einzelhandel aus dieser Studie:
| Zahlungsmittel (deutscher Einzelhandel) | Kosten je Zahlung | Kosten je 100 Euro Umsatz |
|---|---|---|
| Bargeld | 0,43 Euro | 2,30 Euro |
| Girocard (früher EC-Karte) | 0,60 Euro | 0,80 Euro |
| Visa/Mastercard Debit | 0,69 Euro | 2,10 Euro |
| Kreditkarte | 1,00 Euro | 2,40 Euro |
Die ersten beiden Spalten sind die veröffentlichten Werte der Studie (Kosten je Transaktion und Kosten in Prozent des Umsatzes); die dritte Spalte gibt denselben Prozentsatz in Euro je 100 Euro Umsatz wieder. Kein Verfahren ist damit schlechthin billiger: Nach Zahlungen gerechnet liegt Bargeld vorn, nach Umsatz die Girocard.
So rechnen Sie auf 100 Euro Umsatz um
Die Formel lautet: Kosten je 100 Euro Umsatz = Kosten je Zahlung ÷ durchschnittlicher Umsatz je Zahlung × 100.
Die Studie weist die durchschnittlichen Umsatzbeträge je Zahlung aus: 19,07 Euro bei Bargeld, 79,94 Euro bei der Girocard, 33,42 Euro bei Visa- und Mastercard-Debitkarten, 42,61 Euro bei Kreditkarten. Setzen Sie die Kosten je Zahlung ins Verhältnis zu diesem Betrag, kommen Sie den veröffentlichten Quoten nahe, ohne sie durchweg exakt zu treffen: 0,43 ÷ 19,07 × 100 = 2,25 (Studie 2,3), 0,60 ÷ 79,94 × 100 = 0,75 (0,8), 0,69 ÷ 33,42 × 100 = 2,06 (2,1) und 1,00 ÷ 42,61 × 100 = 2,3469… (Studie 2,4). Die Studie teilt die gewichteten, über alle Unternehmen aggregierten Kosten durch die ebenso aggregierte Anzahl der Transaktionen beziehungsweise den aggregierten Umsatz; hier werden dagegen die bereits gerundeten Kosten- und Umsatzwerte je Zahlung ineinander geteilt. Bei Kreditkarten liegt der so gebildete Quotient 2,3469… unter der Rundungsgrenze von 2,35 und ergibt auf eine Nachkommastelle gerundet 2,3, während die Studie 2,4 Prozent veröffentlicht. Lesen Sie die Tabelle deshalb als die veröffentlichten Werte der Studie, nicht als Ergebnis dieser Näherungsrechnung.
Für Ihren Betrieb setzen Sie den eigenen Zahlungsmix ein. Beispielrechnung mit erfundenen Umsatzanteilen auf 12.000 Euro Monatsumsatz, die Kosten je 100 Euro aus der Tabelle:
| Umsatzanteil | Verfahren | Kosten je 100 Euro | Kosten im Beispiel |
|---|---|---|---|
| 3.000 Euro | Bargeld | 2,30 Euro | 69,00 Euro |
| 6.600 Euro | Girocard | 0,80 Euro | 52,80 Euro |
| 1.800 Euro | Visa/Mastercard Debit | 2,10 Euro | 37,80 Euro |
| 600 Euro | Kreditkarte | 2,40 Euro | 14,40 Euro |
| 12.000 Euro | gesamt | 1,45 Euro | 174,00 Euro |
Wären alle 12.000 Euro bar bezahlt worden, lägen die Kosten bei 276 Euro; wäre alles mit Girocard bezahlt worden, bei 96 Euro. Im Beispiel entscheidet der Mix stärker als die Wahl eines einzelnen Verfahrens.
Ein kleiner Betrieb zahlt je Zahlung mehr
Die Studie trennt nach Betriebsgröße. Bei Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten kostet eine Barzahlung 0,60 Euro und eine Girocard-Zahlung 1,33 Euro; bei Betrieben ab 50 Beschäftigten 0,33 Euro beziehungsweise 0,29 Euro. Als Anteil am Umsatz: 3,0 Prozent Bargeld und 3,8 Prozent Girocard in den kleinsten Betrieben, 1,8 Prozent und 0,3 Prozent in den größten. Größere Betriebe verteilen Fixkosten auf mehr Zahlungen und verhandeln bessere Konditionen.
Was den Vergleich verzerrt
- Bonhöhe statt Kostenstruktur vergleichen. Ein hoher durchschnittlicher Kartenbon drückt die Kosten je 100 Euro; bei kleinen Kartenbeträgen wirkt der feste Gebührenanteil stärker.
- Bargeld als kostenlos ansetzen. Zählen, Wechselgeld beschaffen, Bankweg und Kassendifferenzen sind Aufwand, auch wenn er unbezahlt im Betrieb anfällt.
- Nur die Prozentsätze der Kartenabrechnung lesen. Nach der Studie bestehen Transaktionsgebühren meist aus einem prozentualen und einem festen Teil; beide stehen in der Monatsabrechnung des Zahlungsdienstleisters. Zeitaufwand und allgemeine Gerätekosten wie das Kassensystem rechnen Sie zusätzlich selbst dazu.
- Das Terminal vergessen. Miete oder Abschreibung des Terminals zählt zu den Gerätekosten. Wie Sie Kartenakzeptanz einführen, steht unter Kartenzahlung einführen.
- Die Wechselgeldplanung unterschätzen. Wie viel Kleingeld der Betrieb braucht, rechnen Sie in Wechselgeld planen: Bestand, Stückelung und Beschaffung durch.
- Einen Grenzwert für das ganze Entgelt erwarten. In der EU ist das Interchange begrenzt: bei Verbraucher-Debitkarten auf 0,2 Prozent und bei Verbraucher-Kreditkarten auf 0,3 Prozent des Transaktionswerts, wenn beide Zahlungsdienstleister in der Union sitzen (Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 VO (EU) 2015/751, angewandt seit 9. Dezember 2015). Firmenkarten, Bargeldabhebungen und echte Drei-Parteien-Verfahren sind ausgenommen (Art. 1 Abs. 3). Scheme Fee und die Marge des Acquirers deckelt die Verordnung nicht; die Aufteilung zeigt Kartenzahlungsgebühren: Interchange, Scheme Fee und Händlerentgelt.
Was in Österreich und der Schweiz gilt
In Österreich gelten dieselben EU-Interchange-Obergrenzen wie in Deutschland. Wie dort bezahlt wird, hält die OeNB in ihrer Zahlungsmittelumfrage fest: In der Erhebung 2022/2023 wurden 63 Prozent der Transaktionen am Verkaufspunkt bar beglichen, gemessen am Transaktionsvolumen 48 Prozent. In den geöffneten OeNB-Quellen haben wir keine österreichische Kostenrechnung je Zahlungsmittel aus Händlersicht gefunden; für die Bankomatkarte im österreichischen Handel steht das Vorgehen in Bankomatkarte für Händler in Österreich.
In der Schweiz gilt die Verordnung nicht: Sie erfasst nur Vorgänge, bei denen beide Zahlungsdienstleister in der Union niedergelassen sind (Art. 1 Abs. 1 VO (EU) 2015/751). Die SNB hat im Frühjahr 2025 rund 1900 Unternehmen befragt: Rund drei Viertel der Unternehmen, die beide akzeptieren, halten Bargeld für günstiger als Debitkarte, Kreditkarte oder TWINT. Die Debitkarte wird als günstiger als die Kreditkarte und als ähnlich teuer wie Bezahl-Apps eingeschätzt. Von den Unternehmen, die bargeldlose Zahlungsmittel mit Terminals akzeptieren, ist rund ein Drittel mit dem Zahlungsdienstleister unzufrieden; 74 Prozent dieser unzufriedenen Unternehmen nennen die hohen Kosten als Grund. Nur knapp sieben Prozent gewähren einen Preisnachlass bei Bargeld; Gebühren auf bargeldlose Zahlungen erheben vier Prozent, auf Bargeld keiner der Befragten. Für inländische Debitkarten hat die Wettbewerbskommission einvernehmliche Regelungen mit den Kartenverfahren genehmigt, 2024 für Mastercard und 2025 für Visa; welche Sätze gelten, steht unter Debitkarten in der Schweiz.
So gehen Sie vor
- Ziehen Sie einen typischen Monat aus dem Kassenbericht: Anzahl Zahlungen und Umsatz je Verfahren.
- Nehmen Sie die Kartenabrechnung und trennen Sie Prozentsatz und festen Betrag je Zahlung.
- Sammeln Sie die Bargeldkosten: Zählzeit, Münzrollen, Einzahlungsgebühren, Transport, Versicherung, Kassendifferenzen.
- Bewerten Sie die Zeit mit Ihrem Stundensatz einschließlich Arbeitgeberanteilen.
- Rechnen Sie je Verfahren die Kosten je 100 Euro Umsatz und vergleichen Sie Ihre Werte mit der Tabelle oben.
- Wiederholen Sie die Rechnung, wenn sich der Zahlungsmix ändert, etwa nach der Einführung eines neuen Verfahrens; Modelle für Kartenentgelte vergleicht Tarifmodelle für Kartenzahlung vergleichen.